Demenz bei alten Hunden
Von Ardeth De Vries

Wenn ich mit Leuten spreche, die sich schwer tun mit der Entscheidung, ihren alten Hund in die ewigen Jagdgründe zu entlassen, kommt oft das Thema Demenz zur Sprache. Ich habe festgestellt, dass die Besitzer oft ungerne an Euthanasie denken, wenn das Problem nicht physischer Art ist. Irgendwie fällt es leichter (ich weiss, es ist nie leicht) sich mit der Tatsache abzufinden, dass der Hund leidet und es Zeit ist, sich zu verabschieden, als zu verstehen, dass mentales und emotionales Leiden genauso in Betracht gezogen werden muss wie körperliche Probleme. Meine Erfahrung mit eigenen Hunden sowie viele Gespräche mit Hundebesitzern haben mir Anlass zu Gedanken gegeben, die ich gerne mit euch teilen möchte.

1. An erster Stelle steht für mich immer die Lebensqualität, wenn ich mit Leuten über das Lebensende ihres Hundes spreche. Demenz ist ein schleichender und unaufhaltsamer Zustand, der einem Hund viele Schwierigkeiten bereitet, genau wie es für die Person, die ihn liebt, schwierig ist damit umzugehen. Hier sind einige Verhaltensweisen, auf die man aufmerksam sein muss, wenn man sich über den mentalen/emotionalen Zustand des Hundes Sorgen macht:

A) Rastlosigkeit, Ängstlichkeit, zielloses Herumwandern, Verwirrung.

B) Der Hund starrt während längerer Zeit vor sich hin, er steht verloren in Ecken; steht auf der falschen Seite einer Tür und wartet darauf, dass sie sich öffnet; weiss nicht, was er machen soll; wirkt verstört; scheint verloren an vertrauten Orten.

C) Er ist nicht länger stubenrein. Alte Hunde mit Demenz können vergessen, dass sie raus müssen, um ihr Geschäft zu erledigen. Bevor das Problem auf Demenz zurückgeführt wird, muss aber ein medizinisches Problem ausgeschlossen werden (z.B. Blasenentzündung oder Magen- und Darmerkrankung).

D) Der Hund zieht sich zurück. Ein Hund mit Demenz wird oft die Nähe der Menschen vermeiden. Manchmal wird er sogar ausweichen, wenn er gestreichelt wird, und oft wird er die Familienmitglieder bei ihrer Heimkehr nicht begrüssen.

E) Grundloses Gebell. Vielleicht erkennt der Hund die Leute nicht mehr, oder er hat sich im Garten verirrt oder steht verloren hinter einer Tür, oder er ist generell verwirrt, was besonders nachts Gebell auslösen kann.

F) Sein Appetit verändert sich. Entweder verliert er das Interesse an Futter oder ist dauernd hungrig.

G) Die Schlafgewohnheiten ändern sich: ein Hund mit Demenz kann länger schlafen als normal, oder Tag und Nacht umkehren - schläft während des Tages und ist wach und verwirrt während der Nacht.

H) Er reagiert nicht auf deine Stimme. Zuerst muss abgeklärt werden, ob er an Gehörverlust leidet. Wenn das nicht der Fall ist, kann die Demenz verhindern, dass er versteht, was du sagst und entsprechend reagieren kann, oder der Hund erkennt vielleicht seinen Namen nicht mehr, wenn du ihn rufst.

I) Andere Verhaltensweisen, die für den Hund ungewöhnlich sind.

Wenn du einige der oben erwähnten Symptome bemerkst, solltest du dir merken, wie oft sie vorkommen. Vereinbare einen Termin beim Tierarzt, um herauszufinden, was los ist. Der Tierarzt wird vielleicht Medikamente/Ergänzungsmittel verschreiben, die bei Demenz im frühen Stadium helfen können. Du musst aber bedenken, dass gewisse Medikamente nur angstdämpfend wirken, und so hast du dann vielleicht einen Hund, der nicht nur verwirrt, sondern auch ruhiggestellt und kaum ansprechbar ist, d.h. du hast einfach ein Übel gegen ein anderes ausgetauscht.

2. Wenn du die voranstehende Liste über Demenzsymptome gelesen hast, wirst du vielleicht versuchen, die Symptome deines Hundes kleinzureden, indem du sagst: "Morgen wird es ihm besser gehen". "Er hat einfach einen schlechten Tag". "Ich glaube nicht, dass es ihm etwas ausmacht, dass er verwirrt ist; schliesslich sind Menschen immer verwirrt". "Er hat keine Schmerzen." Bitte versuche nicht, den mentalen und emotionalen Zustand deines Hundes wegzudiskutieren. Genau wie die Menschen funktionieren Hunde auf verschiedenen Ebenen und wie wir, wollen sie die Kontrolle über ihren Verstand und Körper haben. Vergleiche nicht deine altersbedingten Gedächtnislücken mit dem, was dein Hund mit Demenz erlebt. Wenn du einen Raum betrittst und nicht mehr weisst, was du dort wolltest, ist es auf deiner Seite oft ein momentaner Aussetzer. Oder du lachst, wenn du deine Brille im Kühlschrank findest, und erklärst es damit, dass du mit den Gedanken an einem anderen Ort warst. Dein Hund findet es nicht lustig, wenn er nicht weiss, wie er in einer Ecke gelandet ist. Demenz ist unangenehm auf einer emotionalen und mentalen Ebene.

3. Hat dein Hund immer noch ein Licht in seinen Augen? Ich weiss, wenn dein Hund blind oder sein Sehvermögen eingeschränkt ist, kann es schwierig sein, zu sehen, ob das Licht noch vorhanden ist, aber selbst bei blinden Hunden kann man spüren, ob er noch da ist. Das Licht von dem ich spreche, ist nicht etwas Greifbares sondern das Gefühl, dass dein Hund noch "da" ist. Wenn du das Gefühl hast, dass dein Hund nicht mehr voll da ist, dann ist das Licht entweder nur noch ganz schwach oder ganz erloschen.


Das Licht in den Augen dieses 14 Jahre alten Corgis ist noch da.

4. Es besteht ein grosser Unterschied zwischen existieren und leben. Hunde mit Demenz können lange Zeit existieren, aber diese Existenz ist ohne Freude und schliesslich mit Angst erfüllt, und kann nicht als leben im wahren Sinne des Wortes bezeichnet werden.

5. Wenn dein Hund seine Identität verliert, ist es ein ernstzunehmender Zustand. Unlängst musste ich mich von zwei meiner Hunde mit Demenz verabschieden. Es ist herzzerreissend zu sehen, wie sie ihre Identität verlieren, weil Hunde meistens auf einer intuitiven Ebene funktionieren und das Wissen, wer sie als Hunde sind, ist wichtig für sie. Ihr Identitätsgefühl verleiht ihnen den Zweck mit und die Freude an ihrem Leben und wenn sie nicht mehr wissen, wer sie sind, wird dieses Gefühl von Zweck und Freude kompromittiert.

Ich weiss, dass du, nachdem du das alles gelesen hast, dich hilflos und frustriert fühlst, aber wenn dein Hund im frühen Stadium von Demenz ist und du die oben genannten Anzeichen kaum erkennen kannst, um Euthanasie in Betracht zu ziehen, dann sind hier einige Tipps, was du tun kannst, um deinem Hund zu helfen.

  • Gib deinem Hund Sicherheit und körperlichen Komfort und zeige ihm, dass du für ihn da bist.
  • Ein Hund sollte nicht alleine mit Demenz klar kommen. Sei so viel wie möglich mit deinem Hund zusammen.
  • Vertraue der starken Verbindung mit deinem Hund und stehe deinem Hund in allem bei.
  • Sorge für externe Stimulation (Autofahrten, Spaziergänge, Spiel mit anderen Hunden), damit die Welt für ihn da ist.
  • Suche das Positive und sei optimistisch. Lass deinen Hund spüren, dass du da bist.
  • Versuche alles, was dein Tierarzt vorschlägt und verordnet. Es gibt oft gute, wenn auch kurzzeitige Resultate mit Medikamenten, die nicht beruhigend wirken, sondern die Hirnaktivität stimulieren. Es gibt auch mehrere Sorten Hundefutter, die bei kognitiven Störungen helfen sollen.
Und nun habe ich genug gesagt. Ich bin sicher, du verstehst jetzt, was ich meine. Bitte nimm Demenz ernst, wenn du die Lebensqualität deines alten Hundes betrachtest und überlege dir gut, ob es wirklich in seinem Interesse ist, einfach zu existieren anstatt ein glückliches Leben bei vollem Bewusstsein zu führen.

https://olddoghaven.org/dementia-in-senior-dogs/
Übersetzung: ANo
Foto: Ann Puckett, mit freundlicher Genehmigung

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23.04.2020