Der Streit um die brindle Pembrokes

Nachdem der britische Kennel Club 1934 den Cardigan und Pembroke Welsh Corgi als zwei separate Rassen anerkannt hatte, lautete der erste Standard für den Pembroke Corgi mit Bezug auf die Farbe: alle Farben ausser rein Weiss.

In ihrem 1934 erschienenen Buch The Welsh Corgi. Pembrokeshire and Cardiganshire Types schreibt Thelma Gray über die Farben beim Pembroke Corgi: "die fuchsrote Farbe ist die häufigste und populärste. Weitere gängige und ebenfalls beliebte Farben sind rotsable, dunkelsable, rehfarben, schwarz mit Brand, tricolor (schwarz mit Brand und Weiss), daneben auch brindle und blue merle, zwei Farben die beim Pembroke im Gegensatz zum Cardigan nur selten auftreten". Hier soll daran erinnert werden, dass Cardigans und Pembrokes vor der Trennung ab und zu vermischt wurden.

In der fünf Jahre später erschienenen, revidierten und erweiterten Ausgabe ihres Buches erwähnt Thelma Gray noch immer die relativ seltene brindle Farbe, die rezessiv von zwei Linien vererbt wird und immer wieder auftaucht. Der Farbschlag blue merle hingegen ist beim Pembroke in der Zwischenzeit verschwunden.

Bei der Überarbeitung des Standards nach dem Krieg schlug die League vor, die Farbe brindle von den wünschenswerten Farben auszuschliessen, da sie als eine typische Cardigan Farbe betrachtet wurde. Das brachte Thelma Gray in Rage, denn sie hatte eine grosse Abneigung gegen Farbdiskriminierung bei allen Hunderassen. Auch John Holmes, der mit seiner brindle Pembroke Hündin Nippy of Drumharrow (Bowhit Pontius x Sparks) vor dem Krieg ein CAC und 2 Reserve CAC gewonnen hatte, war dagegen, zumal alle brindle Pembrokes von Nippy abstammten! Beide vertraten den Standpunkt, dass es ein Schritt in die falsche Richtung ist, eine Farbe auszuschliessen, die in der Rasse bereits vorhanden ist.

Nippy
Nippy of Drumharrow,
die brindle Pembroke Hündin von John Holmes

Nach vielen hitzigen, teilweise sogar erbitterten Debatten, die auch auf den Rasseseiten von "Our Dogs" geführt wurden, erzwangen Thelma Gray und John Holmes eine Abstimmung unter den League Mitgliedern - und verloren. Der in Cardiff am 30. August 1945 von der Delegiertenversammlung des Welsh Corgi Clubs und der Welsh Corgi League genehmigte revidierte Standard wurde von den Mitgliedern der League mit grosser Mehrheit angenommen und der Standard für die Farbe lautete neu: einfarbig rot, sable, rehfarben, schwarz mit Brand, oder mit Weiss an Läufen, Brustbein und Hals. Etwas Weiss am Kopf und Fang ist zulässig.

Thelma Gray und John Holmes gaben aber nicht so schnell auf. An der GV 1948 beantragten sie, dass brindle im Standard so rasch als möglich wieder als wünschenswerte Farbe figurieren solle. Weil aber an der GV 1947 beschlossen worden war, dass Fragen zum Standard allen Mitgliedern unterbreitet werden müssen, kam es im Mai 1948 zu einer brieflichen Abstimmung unter den rund 600 Mitgliedern. Nachdem die Stimmzettel verschickt worden waren, schrieben Thelma Gray und John Holmes einen Brief an die Mitglieder der League, worin sie nochmals für die Gründe zur Bewahrung der Farbe brindle argumentierten. Die Stimmbeteilung war niedrig, denn viele der neuen Mitglieder fühlten sich zu wenig qualifiziert, um zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Die Auszählung ergab schliesslich 75 Stimmen für und 98 Stimmen gegen die Aufnahme von brindle unter den wünschenswerten Farben und somit war dieses Thema endgültig vom Tisch.

Brindle wurde zwar nicht als disqualifizierende Farbe, sondern einfach als Fehler betrachtet, aber nach dieser Abstimmung verschwanden die brindle Pembrokes, eine Tatsache, die John Holmes gut 50 Jahre später noch immer bedauerte. Nippy hatte 10 Würfe, 5 davon mit Rozavel Red Dragon, und von den insgesamt 41 Welpen waren 19 rot oder rot-sable und 22 brindle. Im April 2000 schreibt John Holmes, dass alle seine brindle Hündinnen Nachkommen mit der schönsten roten Farbe warfen, und er bedauert, dass das satte, leuchtende Rot längst verschwunden ist. Viele der sogenannten roten Pembrokes könnten seiner Meinung nach eher als rehfarben oder sogar cremefarben bezeichnet werden.

Mitte der 50'er Jahre, d.h. rund zehn Jahre nach der Änderung des Standards tauchte in einem Pembroke Wurf plötzlich ein brindle Welpe auf. Bei der Rückverfolgung der Stammbäume beider Eltern stiess man auf einen gemeinsamen brindle Cardigan Vorfahr, 8 Generationen zurück auf der einen und 10 Generationen zurück auf der anderen Seite. Sonst waren alle Ahnen Pembrokes, und weder die Eltern des Welpen noch die Grosseltern hatten je zuvor einen brindle Nachkommen erzeugt.

Weitere zwanzig Jahre später wurde in Kanada ein brindle Pembroke von registrierten Eltern geboren. Es wäre interessant, herauszufinden, ob dieser Rüde auch auf Cardigan Vorfahren zurückgeht.

brindle Pembroke
Canadian KC # JT 36646 Burtman Jody, geb. 25.09.1977
(Vater 898101C Bhilwara Hermit - Mutter FQ A 947 Burtman Topsy)
Züchter: Mrs M Welsch, Calgary, Alberta
(Danke an Laurie Savoie für die Foto und Info)

Anita Nordlunde

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30.03.2011