Der Beginn einer neuen Rasse

Der Pembroke Welsh Corgi
Von Dai Rees

Hätte sich eine Gruppe von Leuten nach einer Hundeausstellung nicht zu einem Drink im Castle Hotel in Haverfordwest getroffen, so hätte die königliche Familie vielleicht nie ihre Lieblingsrasse zu sehen bekommen. Und das kam so. Im "Gold Room" von Haverfordwest hatte die Klubschau des Sealyham Terrier Clubs stattgefunden und als die Schau zu Ende war, schlenderten einige der Mitglieder zum Castle Hotel hinüber.

Zu dieser Gruppe zählten Mr Dai Rees, der damals in Fishguard wohnte; der Baron De Rutzen; Captain Jack Howells, Solva; Hauptmann Checkland Williams, St. Davids; Mr Sid Bowler, Mr Fred Munt, Mr John John und Mr Fred Lewis aus Haverfordwest; Mr D.T. Davies, Polizeimeister Fred Morse und Mr Jack Symons aus Fishguard; Mr und Ms Higgon, Treffgarne Mansion; Mrs F. Lewis, Lower Fishguard; Mr und Mrs Charlie Smith, Morgan Hill; und Mr und Mrs Oliver Jones, Pantyplaidd.

Die Popularität des Sealyham Terriers war damals am abklingen und man war auf der Suche nach einer anderen Rasse, um ihn zu ersetzen. Ich glaube, es war Mr D.T. Davies, der erwähnte, dass die alte Rasse, die vor vielen Jahren als Corgi bezeichnet wurde, noch nicht ausgestorben war.

Pembroke
Pembroke Corgi Ch. Crymmych President
Sealyham Terrier
Sealyham Terrier, ebenfalls eine walisische Rasse
Beide Fotos aus Die Hunderassen von A. Gräfin von Hagen. 1935

Er war in Llangeitho aufgewachsen und meinte, dass sich in jener Gegend immer noch einige dieser Hunde befinden könnten und wir fanden auch eine Anzahl recht unterschiedlicher Exemplare. Es war ein langer Weg, bis sie zu den Hunden wurden, die wir heute kennen. Einige hatten lange, andere kurze Körper; es gab solche mit langer und andere mit kurzer Rute und einige hatten überhaupt keine Rute.

Wir beschlossen aber trotzdem, einen Klub zu gründen, um uns um anfallende Geschäfte kümmern zu können. Jeder von uns legte 1 Pfund in die Kasse und damit war "The Welsh Corgi Club" geboren. Ich bin nicht sicher, ob es 1924 oder 1925 war.*)

Bis dahin wussten wir nicht, wie der Hund aussehen sollte, den wir reinzüchten wollten. Nach langen Diskussionen einigten wir uns schliesslich auf einen Standard, den wir dem Kennel Club unterbreiteten und zum Glück wurde er bis auf ein paar Details genehmigt.

Das nächste Problem war, die Rasse vom Kennel Club registrieren zu lassen. Die Bürokratie arbeitet sehr langsam, und selbst als es gelang, waren wir noch lange nicht über den Berg. Ich möchte nebenbei erwähnen, dass die Corgis, das allererste Mal, dass sie registriert wurden, als "jede andere fremde Rasse"**) bezeichnet wurden und dabei blieb es ziemlich lange.

Dann brach der Streit über die Ruten los und teilte den Klub in zwei Lager, weil die Länge der Ruten bei den Würfen so verschieden war. Inzwischen waren dem Klub mehrere Cardigan-Leute beigetreten und diese setzten sich für lange Ruten ein. Wir beschlossen daher, dass sich fünf unserer Leute mit fünf Cardigan-Leuten treffen sollten.

Nach einer hitzigen Debatte, an die ich mich noch gut erinnere, sprach sich der verstorbene Dr. Lloyd aus Tregaron für lange Ruten aus, weil er als Arzt der Meinung war, dass ein Hund ohne Rute aus anatomischer Sicht nicht korrekt war. Ich war völlig einig mit dem guten Doktor, wenn er mir nur erklären konnte, wie ich einem Welpen, der schwanzlos geboren war, eine Rute anheften konnte. Und damit war die Rutenfrage vom Tisch.

Gleichzeitig beschlossen wir, beim Kennel Club einen separaten Klub, The Cardigan Corgi Club***), für die Corgis mit langer Rute eintragen zu lassen.

Es besteht kein Zweifel, dass der Pembroke Corgi seinen Cardigan-Rivalen an Popularität in der ganzen Welt überflügelt hat. Kaum ein Hofzug verlässt die Bahnhöfe von Euston, St. Pancras oder Paddington ohne einen oder zwei königliche Corgis an Bord.

Es ist merkwürdig, zu denken, dass eine Handvoll Leute in einem Hotel in Haverfordwest und ein Bezirk in Llangeitho für eine Rasse verantwortlich sind, die sich weltweiter Popularität erfreut und vor allem die Lieblinge der königlichen Familie wurden.

Der Pembroke Corgi ist ein "heeler", das heisst ein "Fersenschnapper", sei es bei Mensch oder Vieh, und er ist absolut furchtlos in einer Viehherde. Den Cardigan Corgi habe ich noch nie in Aktion gesehen. Es war ein Pembroke Corgi, der es wagte, eine Wache des Buckingham Palastes in die Fersen zu kneifen, und damit volle Pressedeckung erzielte.

Der Pembroke Corgi ist ein kleiner Hund, aber es entgeht ihm nichts, denn seine Augen und Ohren sind immer offen und die kleinen Augen sprühen vor Intelligenz und keckem Humor, obwohl er dazu neigt, Personen, die er nicht mag oder nicht gut kennt, schnell, hinterhältig und unsanft in die Fersen zu schnappen.

Aus The Welsh Corgi League Handbook 1973
Übersetzung ANo

*) In seinem Buch The Pembrokeshire Corgi (1952) schreibt Clifford L.B. Hubbard, dass der Klub 1925 gegründet und zuerst "The Corgi Club" genannt wurde. Der Klub wurde aber erst 1926 vom Kennel Club registriert, im gleichen Jahr wie der Cardigan Club, wobei auf Verlangen des Kennel Clubs das Wort "Welsh" hinzugefügt wurde.

**) Laut Clifford L.B. Hubbard und Thelma Gray wurden die Corgis zuerst als "jede andere Rasse, nicht klassifiziert" registriert und erst 1928 wurden sie der Gruppe "Non-sporting breeds" (Nicht-Jagdhunde) zugeordnet. Nach 1967 gehörten sie zu den "Working breeds" (Gebrauchshunde) und seit 1999 gehören die Corgis in Grossbritannien zur Pastoral Group (Hirtenhunde).

***) Heute: The Cardigan Welsh Corgi Association.
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www.welshcorgi-news.ch
13.04.2011