Treibinstinkt

Um heraus zu finden, ob der Treibinstinkt beim Corgi noch vorhanden ist, nahmen die Besitzer von acht Cardigans und zwei Västgötaspetsen im September 1999 an einem Test in Schweden teil.

Nach kurzer Introduktion und Anweisung durch den Testleiter wurde das erste Team losgeschickt. Zuerst sollte der Hundeführer einfach auf die friedlich weidenden Kühe zugehen und das Interesse des angeleinten Hundes für die Tiere wecken. Darauf wurde der Hund unter stetem Zuspruch frei gelassen. Und siehe da: für einige war die Sache klar: die Kühe sollten vorwärts getrieben werden! Bellend liefen sie hinter den Tieren hin und her und kneiften sie wenn nötig in die Fersen.

Natürlich gab es auch solche, die sich nicht fürs Viehtreiben begeistern konnten. Die Hündin "Bettan" z.B. sorgte dafür, dass ihr Frauchen Ulla Staaf sich immer zwischen ihr und den Kühen befand!

Nach einer Pause durften diejenigen Hunde, die kein Interesse gezeigt hatten, es nochmals versuchen, diesmal zusammen mit einem eifrigen Treiber. Es könnte ja sein, dass ihnen ein Licht aufgeht, wenn sie sehen, wie's gemacht wird. Allerdings war kein grosser Unterschied zu bemerken. "Bettan" liess ihren Kumpanen im Stich und verliess die Einzäunung entschlossenen Schrittes, indigniert bis zur Schwanzspitze.

Und das Resultat? Von den acht Cardigans zeigten 3 guten oder sehr guten Treibinstinkt. Beim "Bettan" lautete das Urteil: "Treibinstinkt fehlt zur Zeit". Bei diesem Test geht es nur darum, einen eventuellen Instinkt aufzuzeigen. Der Instinkt allein macht zwar noch keinen guten Treibhund, aber er ist unerlässlich für die weitere Ausbildung des Hundes zum Treibhund.

Herding
Cardigan Hündin mit Treibinstinkt:
Smultronbackens Gwynneth von Katarina Elfström-Pettersson, Schweden

Der Cardigan Rüde Mindecor Marquis, genannt "Kisen", war während Jahren eine unerlässliche Hilfe auf dem Bauernhof der Familie Nilsson auf Gotland, Schweden, wenn es galt die Milchkühe nach Hause zu treiben. Jemand musste nur dafür sorgen, dass die Kühe sicher die Landstrasse überquerten, und konnte nachher getrost nach Hause radeln und die Kühe im Stall in Empfang nehmen. Die Familie konnte sich ganz auf "Kisen" verlassen. Er wurde 17 Jahre und 9 Monate alt.

Auch die schwedische Pembroke-Züchterin Lena Lewenhaupt ("Heeler's"), die auf einem Bauernhof in Südschweden wohnt, brauchte bis vor kurzem ihre Corgis für Schafe. Sie bedauert es sehr, dass die Corgis heute nur noch als Begleit- und Ausstellungshunde gezüchtet werden, und dass sich niemand mehr für den Corgi als Gebrauchshund interessiert.

Dudley
Lena Lewenhaupt mit ihrem SCh Heeler's Dudley,
einer der wenigen Corgis, der die Hirtenhundeprüfung bestand

Ihr erster Corgi, ein grosser, knallroter Pembroke, S und N Ch. Donovan, war sehr geschickt im Umgang mit Gänsen, obwohl Gänse sehr schwierig und aggressiv sind. Im Alter von 6 Monaten begann einer seiner Söhne, die Schafe heimlich hinter dem Stall zusammen zu treiben und entwickelte sich zu einem aussergewöhnlich tüchtigen und allseitigen Hund. In Schweden gibt es nur ganz wenige Corgis, welche die äusserst schwierige Hirtenhundeprüfung bestanden haben, und drei davon, die alle auf Donovan zurück gehen, stammen aus der Zucht von Lena Lewenhaupt.

Anita Nordlunde
Corgi News, April 2001



Als vor rund 25 Jahren Tierschützer und Tierärzte in England begannen, ein Kupierverbot zu fordern, wurde der Council Of Docked Breeds gegründet, der sich für das Kupieren aus Gründen der Tradition und zur Verhütung von Verletzungen der Rute einsetzte.

Natürlich würde ein Kupierverbot auch den Pembroke Corgi betreffen und Züchter wie Besitzer waren alles andere als erfreut beim Gedanken, dass ihre bevorzugte Rasse sein Aussehen verändern sollte. Alle möglichen Gründe für die Beibehaltung des Kupierens wurden angeführt, unter anderem wurde behauptet, dass der Pembroke Corgi beim Viehtreiben zwischen die Herde flitze und die Rinder in die Fersen schnappe im Gegensatz zum Cardigan, der aus sicherer Distanz, also ähnlich wie ein Border Collie, treibe. Eine schwere, schmutzige Rute wäre daher für den Pembroke ein Hindernis, wenn er dem unvermeidlichen Huftritt ausweichen muss.

Diese Erklärung erschien mir damals wenig überzeugend und ich schrieb an den inzwischen verstorbenen John Holmes in England, der während vielen Jahren Pembrokes unter dem Namen "Formakin" züchtete und auch mit ihnen arbeitete.

Seine Antwort lautete:

Es ist sehr lange her, dass ich Corgis für Rinder und Schafe gebraucht habe und damals sahen sie ganz anders aus als die Pembrokes und Cardigans, die man heutzutage auf Ausstellungen sieht. Mein erster Corgi-Wurf wurde 1933 geboren und alle fünf Welpen hatten eine Stummelrute. Die Ruten waren von unterschiedlicher Länge, aber keine fehlte ganz wie es heute bei den Pembrokes im Ausstellungsring üblich ist. Die Mehrheit hatte einen deutlichen Stummel, mit dem sie wedeln konnten.

Fitzdown Paul
Int.Ch. Fitzdown Paul of Andelys
geb. 28.11.1934,
mit deutlicher Stummelrute
Zodia's Garm
Moderner Pembroke mit Stummelrute
Zodia's Garm, geb. 26.06.1998

Als Prinzessin Elizabeth "Dookie" geschenkt erhielt, der einen ca. 7,5 cm langen Stummel hatte, stieg die Nachfrage nach Pembrokes plötzlich stark an. Welpen mit kurzer Rute verkauften sich viel leichter als solche mit langer Rute, so dass es sich für die Züchter lohnte, die Ruten zu kupieren.

Die Theorie, warum die Pembrokes kupiert werden aber nicht die Cardigans, hat mich amüsiert. Ich habe mit vielen verschiedenen Treibhunden - von Corgis bis Australian Cattle Dogs - gearbeitet oder ihnen bei der Arbeit zugeschaut.

Schafe und Rinder underscheiden sich darin, dass Schafe vor einem Hund, der sich auf Distanz hält, davon laufen, während Rinder in die vom Hund gewünschte Richtung getrieben werden müssen. Dies geschieht mit "heeling" und "nosing", d.h. wenn das Vieh vorwärts gehen soll, kneift der Hund es in die Fersen, und wenn es am weitergehen verhindert werden soll, kneift er es in die Nase. Der Hund macht dies per Instinkt und man kann ihm nicht beibringen, wo oder wie er das Vieh beissen soll.

Es ist interessant zu beobachten, wie verschiedene Hunde ihre eigene Methode entwickeln. Grössere Hunde wie Collie-Rassen und Australian Cattle Dog beissen normalerweise in die Fesseln. Corgis hingegen schnappen viel tiefer, in den weichen Teil gleich über den Klauen, und wenn eine Kuh dort einmal gebissen wurde, kriegt sie schnell einen gesunden Respekt vor diesem kleinen "Raubtier", das aus dem Nichts zu kommen scheint.

Ich habe mehrmals gelesen, dass der Corgi oder der Australian Cattle Dog zubeisst und sich dann auf den Boden drückt, um dem Huftritt zu entgehen, habe es aber nie beobachtet. Der kluge Treibhund, gleich welcher Rasse, hält seinen Kopf tief und lässt sich sogar auf die Ellbogen nieder, aber er ist ständig in Bewegung. Er schnappt in das am weitesten nach hinten reichende Bein und bewegt sich gleichzeitig seitwärts, so dass er bereits weg ist, wenn die Kuh ausschlägt.

Beide Corgi-Typen sind mehr Treib- als Hirtenhunde, sind aber nicht schnell genug, um eine weit verstreute Rinderherde zusammen zu treiben. Dafür eignen sie sich ausserordentlich gut dazu, Vieh oder Schafe in Lastwagen, Pferche usw. zu treiben. Einst - vor sehr langer Zeit - trieb ich regelmässig Rinder oder Schafe zum Markt in Perth, eine Distanze von ca. 15 km, davon ca. 9 km auf der Hauptstrasse. Mit einem Border Collie, um die Tiere zusammen zu halten, und einem Corgi, um sie vorwärts zu treiben, brauchte ich nur noch hinterher zu gehen.

John Holmes

Seit dem 6. April 2007 ist das Kupieren der Rute auch in England verboten mit Ausnahme von "zertifizierten" Dienst- und Jagdhunden. In Wales trat das Verbot bereits am 28. März 2007 in Kraft und in Schottland am 30. April 2007.

ANo

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www.welshcorgi-news.ch
20.07.2010