Zwei Welpen gleichzeitig? - Besser nicht.

Manch ein Welpenkäufer ist vielleicht versucht, gleich zwei Welpen anzuschaffen, mit dem Gedanken, dass sie miteinander spielen können und im Glauben, dass zwei Welpen nicht mehr Arbeit bedeuten als einer. Sie vergessen dabei, dass beide Hunde gleichzeitig sozialisiert werden müssen, beide brauchen eine Grundausbildung, und beide kommen ungefähr gleichzeitig in die Pubertät. In der Schweiz muss man zudem ein obligatorisches Training mit Hund absolvieren, um den sogenannten Sachkundenachweis zu erhalten.

Cardigan Welpen
Foto: Ursula Känel

Verantwortungsbewusste Züchter raten daher davon ab oder weigern sich gar, zwei Welpen an den gleichen Besitzer abzugeben, vor allem nicht zwei Wurfschwestern, denn die Erfahrung hat gezeigt, dass sie schon nach wenigen Monaten riskieren, den einen Welpen zurücknehmen zu müssen.

Gelegentlich schaffen sich Paare zwei Wurfgeschwister an in der Meinung, es sei einfacher, zu zweit zwei Welpen gleichzeitig aufzuziehen. Sie nehmen sich vor, dass sie ihre Vierbeiner einzeln ausführen werden, damit sie Umwelterfahrungen sammeln und fremde Hunde kennen lernen können. Nicht selten bleibt es dann aber bei den guten Vorsätzen. Man findet die Zeit nicht, und alleine spazieren zu gehen ist auch nicht so lustig und so werden die Welpen kurzum zusammen ausgeführt, was ihnen natürlich grosses Vergnügen bereitet. Solche Welpen setzen sich aber weniger mit ihren Besitzern auseinander als "Einzelwelpen" und haben oft eine weniger enge Beziehung zum Menschen.

Ein Welpe allein hingegen wird sich an den Besitzer und andere Mitglieder des Haushalts binden, die sich mit ihm abgeben, mit ihm spielen, ihn streicheln, pflegen, füttern und zum Versäubern nach draussen tragen.

Auch wenn Wurfgeschwister gemeinsam eine Spielgruppe besuchen, erweist sich das oft als problematisch, weil sie entweder nur miteinander spielen oder andere Welpen zu "mobben" beginnen. Es nützt meist auch nichts, wenn sie während derselben Spielstunde auf getrennten Plätzen untergebracht werden. Sie versuchen nämlich in der Regel mit allen Mitteln, wieder zueinander zu gelangen. Man kommt also nicht darum herum, mit beiden getrennt eine Spielgruppe zu besuchen. Neben dem zeitlichen Aufwand, muss auch der Welpe, der zu Hause bleibt, in dieser Zeit beaufsichtig werden.

Aber auch im Alltag zu Hause wird es zu Problemen kommen, wie folgende Beispiele zeigen:

  • Was macht man mit Welpe 1, während man sich mit Welpe 2 beschäftigt. Wenn der Welpe, den man gerade spielerisch zu erziehen versucht, hört, wie der andere winselt, wird er seine Aufmerksamkeit mehr auf den anderen Welpen als seinen Besitzer fokussieren. Und wenn sie ausgetauscht werden, wird der Welpe, der zuerst abgesondert war, viel zu aufgeregt sein, um noch etwas zu lernen. Er will nur noch zu seinem Kameraden zurückkehren.

  • Wie soll man die beiden stubenrein kriegen? Wenn der eine dabei ist, sich auf dem Teppich zu erleichtern, während sich der andere z.B. auf der Zeitung, wo er darf, versäubert, wie kann man dann den einen korrigieren, ohne dass beide denken, dass sie etwas Falsches getan haben.

  • Wenn sich beide im gleichen Raum befinden und der eine an einem Spielzeug kaut, während sich der andere am neuen Sofa zu schaffen macht, wie kann man ihn stoppen, ohne dass beide glauben, sie hätten etwas Verbotenes getan.
Unerwünschte Verhaltensweisen treten häufig in der Pubertät auf. Es ist enorm wichtig, den Junghund in dieser Zeit zu überwachen und zu vermeiden, dass sich unerwünschtes Verhalten wie z.B. Jagen festsetzt. Hat man zwei Junghunde zu beaufsichtigen, wird dies viel schwieriger.

Zwischen zwei Hunden, die im selben Haushalt leben, kann es auch zu Spannungen kommen, sei es aus Futterneid, Konkurrenz um die Gunst und Aufmerksamkeit des Besitzers oder ganz einfach beim Kampf um die Rangordnung zwischen den beiden. Wenn es sich um zwei Rüden oder zwei Hündinnen handelt, kann es in der Pubertät oder später, im Erwachsenenalter, zu ernsthaften Auseinandersetzungen kommen.

Wenn zwei Rüden um den Vorrang kämpfen, wird normalerweise derjenige mit den besseren Führungseigenschaften gewinnen, vorausgesetzt man mischt sich nicht ein. Dabei fliegen Speichel und Haare, es wird fürchterlich geknurrt und gebrüllt, und vielleicht kommt es auch zu Verletzungen, aber schliesslich wird der Dominantere der beiden gewinnen. Der Unterlegene wird seine Niederlage üblicherweise akzeptieren, seine Wunden lecken und sich dem Sieger fügen und so werden sie, wenn die Rangordnung einmal etabliert ist, in relativer Harmonie miteinander leben.

Wenn aber zwei Hündinnen sich nicht vertragen, ist das eine bedeutend schwierigere Situation. Hündinnen kämpfen viel erbitterter als Rüden, und meistens geht es auch ohne grosses Getöse vor sich wie bei den Rüden. Ein solcher Kampf kann dramatische Folgen haben und sogar mit tödlichen Verletzungen enden. Versucht man, die beiden zu trennen, riskiert man in der Hitze des Gefechts, gar selbst gebissen zu werden.

Zwei Hunde verschiedenen Geschlechts sind normalerweise kein Problem, denn Rüden haben meistens nichts dagegen, sich der Hündin unterzuordnen. Allerdings passiert es nicht selten, dass der Rüde anfängt, die Hündin gegenüber anderen Rüden zu verteidigen. Hinzu kommt das Problem mit der Läufigkeit der Hündin. Entweder müssen die beiden während rund 2 x 3 Wochen im Jahr voneinander getrennt werden, oder einer der beiden muss kastriert werden.

Zwei Hunde, die sich nicht vertragen, in einem Haushalt getrennt zu halten, ist äusserst mühsam und schnell vergisst man, eine Türe zu schliessen. Den einen Hund wegzugeben, ist auch nicht einfach, denn welcher der beiden soll es sein?

Falls man gerne zwei Hunde haben möchte, ist es besser zu warten, bis der erste mindestens ein Jahr, besser noch zwei Jahre alt ist und bereits einen gewissen Grundgehorsam hat und auch mal alleine sein kann. Aber auch so muss man auf einige Probleme gefasst sein, denn zwei Hunde sind bereits ein Rudel und in der Gruppe verhalten sich Hunde oft völlig anders, als wir uns das von den einzelnen Tieren gewohnt sind, z.B. verhalten sich zwei Hunde bei Begegnungen mit Artgenossen häufig aggressiver, als jeder einzelne dies tun würde. Es kann auch zu Machtkämpfen zwischen den beiden kommen, wenn der Jüngere in die Pubertät kommt.

Zwei Hunde können aber auch sehr viel Freude bereiten und sich gegenseitig Gesellschaft leisten. Zudem ist es interessant, zu beobachten, wie sie miteinander umgehen und in verschiedenen Situationen reagieren.

ANo
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28.02.2011