SOTA TALE

An einem kalten stürmischen Wintertag fuhr ich mit meinem Geländewagen durch das Schneetreiben zu einer weit entfernten Schaffarm, um mir einen brindle Cardigan-Welpen namens Koda anzusehen. Koda war ein Einzelwelpe aus dem letzten Wurf, den seine Mutter haben würde.

Als ich nach mehreren Stunden bei Marvin und Betty eintraf, kam Marvin und drückte mir den kleinen Welpen in die Arme. Sofort begann Koda mein Gesicht zu lecken und in meine Haare zu beissen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Nach der langen Rückfahrt auf den verschneiten Strassen sassen wir zusammen in der Stube bis mein Mann nach Hause kam. Ich sagte "Das ist Papa!" und Koda sagte "wuff!" - und wieder war es Liebe auf den ersten Blick.

Koda war mein Geburtstagsgeschenk, aber oft hörte ich wie mein Mann heimlich Koda fragte "bist du Mamas kleiner Hund oder bis du Papas kleiner Hund?" Wenn Koda auf meinem Schoss sass, habe ich ihm immer wieder erzählt, wie er zu uns kam, so auch wenige Tage vor dem schrecklichen Unfall.

Als ich an jenem Junimorgen erwachte, hätte ich nie gedacht, dass ich den Rest meines Lebens verzweifelt wünschte, dass ich immer noch träumte... Mein geliebter Koda wurde vom Paketdienst-Wagen überfahren. Es ging alles blitzschnell. Genau in dem Moment als wir vom Tierarzt zurückkehrten, kam der Wagen im Eiltempo die Strasse herunter. Kaum hatte ich die Wagentür geöffnet, um Koda und BellaMae rauszulassen, als Koda auch schon auf den Postwagen los rannte, gegen den er aus irgend einem Grund eine tiefe Abneigung hegte. Der Fahrer bremste erst, als er sah, wie ich laut schreiend auf ihn zu rannte. Koda starb in meinen Armen, während ich schluchzend auf der Strasse sass. Unsere drei andren Corgis durften von Koda Abschied nehmen. So wussten sie, was geschehen war und drückten sich an uns, während wir verzweifelt weinten. Auf dem Weg zurück zum Tierarzt lag ich hinten in meinem Wagen mit Koda in den Armen und sagte ihm, was für ein lieber und schöner Hund er war, und dass ich ihn und alle seine verrückten Einfälle bereits vermisse.

Als junge Erwachsene hatte ich einen Irish Setter namens Redskin, der unglaublich intelligent und mutig war. Damals war ich überzeugt, dass ich nie mehr einen solchen Hund kennen würde. Aber dann kam mein Cardigan Corgi und eroberte unsere Herzen im Nu.

Er passte auf mich auf, als ich schwer krank war, und schlief gerne neben mir auf dem Sofa, wenn wir am Nachmittag fernsahen. Er lernte schnell und man musste ihm selten etwas mehr als einmal sagen. Stets vergnügt und schwanzwedelnd überwachte er sein Territorium durchs Erkerfenster oder die Schiebetüre zur Terrasse, immer Ausschau haltend nach seinem Erzfeind dem Eichhörnchen, einem Kaninchen oder der Katze des Nachbarn, die in unserem Garten nichts zu suchen hatte. Immer liebenswürdig und grossherzig gegenüber allen Corgis, die wir zu uns nahmen. Immer der Diplomat gegenüber unseren Pfleglingen. Immer der Lauteste, wenn ich ihre Mahlzeiten zubereitete oder eine Banane schälte. Er versuchte uns als Erster zu trösten, als wir vor 5 Jahren unseren Sohn bei einem Unfall verloren. Er küsste meine Tränen weg und die anderen Corgis folgten ihm.


Nach einem gewaltigen Schneesturm
passt Koda auf seine "Schäfchen" auf

Wir wissen, dass er uns an jenem Tag vor dem vermeintlich bösen, braunen Wagen beschützen wollte, und wir wünschen uns so sehr, dass er es unterlassen hätte.

Ach, wie wir ihn vermissen! Es ist viel zu still im Haus, obwohl man sich fragt, wie es in einem Haus mit drei Corgis still sein kann! Ich sehe ihn vor mir, wie er vor dem Fernseher sass und bellte, wenn er irgend ein Tier sah, besonders beim Werbespot mit dem "Uiiiii" schreienden Schwein auf dem Skateboard! Koda wusste, dass Schweine nicht Skateboard fahren.

Unsere Corgis haben uns während den Jahren viel gelehrt. Koda war der Anfang einer wunderbaren Geschichte, nur waren deren Kapitel zu kurz. Aber seine Liebe lebt weiter. Es war uns vergönnt, ihn 9 Jahre lang bei uns zu haben und dank ihm haben wir auch die anderen drei Corgis, die wir ebenfalls lieben.

Ich legte jeweils mein Ohr an seine Brust und lauschte seinem Herzschlag. Am Abend sagte ich zu ihm, es sei Zeit für unser Gebet, und er rannte zu seiner Box, schlüpfte hinein und legte sich nieder. Dann beteten wir: "Träum süss von den Elfen und flieg sicher mit den Drachen. Küss alle unsere Engel in deinen magischen Träumen und sag ihnen, dass wir sie vermissen, dass wir sie lieben und sie eines Tages wieder sehen werden"... Träum süss von den Elfen, mein liebster Koda, ich werde dich in den magischen Träumen sehen...

Koda zeigte uns, wie es ist, von diesen magischen Reittieren der Elfen geliebt zu werden. Wir sind ihm dafür ewig dankbar. Wir wurden dadurch bessere Menschen.

Die Fidjianer haben eine wunderschöne Redensart. Dieses liebenswürdige Volk glaubt nicht an Abschiede. Sie sagen SOTA TALE. Es bedeutet, viel Liebe und Wärme, bis wir uns wieder sehen.

Wenn wir für immer nach Fidji ziehen, nehmen wir die hübsche Urne mit Kodas Asche mit und werden sie unter dem Bananenbaum begraben, den wir letzen Sommer für ihn gepflanzt haben. Selbstverständlich werden unsere drei anderen Elfen-Reittiere ebenfalls mit uns kommen und jedes wird seinen eigenen Bananenbaum haben.

Wir sind immer noch ganz durcheinander, aber mit der Zeit wird der Verlust etwas weniger schmerzen. Wir wissen, dass Koda über uns wacht zusammen mit unserem alten Kazmandoo the Ancient Kittyman Who Came from the Land of Oz. Koda und der Kater Kaz waren alte Freunde, d.h. Kaz war der Chef, denn er war zuerst hier... Ich bin sicher, sie haben eine tolle Zeit bei der Regenbogenbrücke.

Und so sagen wir SOTA TALE, liebster Cole's Koda of Caernarvon.

Caroline und Rick Calven, Illinois
und Elliott (Cardigan), Heidi und BellaMae (Pembrokes)
Juli 2012
Übersetzung ANo

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www.welshcorgi-news.ch
05.08.2012