Die Corgis - echte Pfundskerle?

Oh, ich weiss, das ist ein gaaanz heikles Thema.. Aber es brennt mir auf der Seele, seit ich Corgis näher kennen- und liebengelernt habe. So nehme ich in Kauf, dass der eine oder die andere entrüstet das Heft in die Ecke pfeffert oder es gar seinem Hund zum Frass vorwirft (das wäre - abgesehen von den Heftklammern - gar nicht so schlimm, alles Ballaststoffe!).

Wieviel darf ein Corgi wiegen? Der Standard hat ganz klare Vorgaben: 10 - 13 Kilo. Die Wirklichkeit sieht anders aus, eher von 13 Kilo an aufwärts, die "natürliche" Obergrenze dürfte bei etwa 25 Kilo liegen.

Nun kann man nicht einfach auf einer Zahl herumreiten. Ein kräftig gebauter Rüde mit breiter Brust und ordentlicher Bemuskelung wird deutlich mehr wiegen als eine zarte Junghündin. Und aus einem Corgi wird man selbst bei sparsamster Fütterung höchstens einen Kleiderbügel, aber kein Windspiel machen können.

Wie also stellt man fest, ob der Corgi gut oder zu gut gefüttert ist? Ganz einfach: man streicht seinem Hund mit flachen Händen über den Brustkorb. Wenn Sie die Rippen gut fühlen können, ohne darauf Harfe zu spielen, dann ist es genau richtig. Wenn Sie ein bisschen fester drücken müssen, um die Rippen unter einer Polsterschicht zu fühlen, hat Ihr Hund das eine oder andere Kilo zuviel. Wenn aber ein Röntgenbild nötig ist, um die Rippen zu finden, dann sind sie auf dem besten Weg, Ihren Hund zu Tode zu füttern.

Fat Corgis
Zwei dicke Corgis

Man muss es ganz klar sagen: Übergewicht schadet in jeder Hinsicht! Es schadet den Gelenken und dem Rücken, was gerade bei den kurzbeinigen und verhältnismässig langrückigen Corgis ein Problem darstellt. Es schadet den Organen, weil die ständig Höchstleistungen erbringen müssen. Es schadet der Psyche, weil ein fetter Hund kaum noch Energie hat zum Toben, Rennen und Spielen, wie es ihm eigentlich im Blut liegt. Eine aktuelle Studie mit Labrador-Retrievern zeigte, dass knapp gefütterte Hunde durchschnittlich zwei Jahre länger leben als ihre Genossen, die nach Belieben fressen durften.

Fetter Corgi, 5 Jahre alt und 23 kg vor der Abmagerungskur

Hunde haben seit Jahrtausenden schauen müssen, dass sie nicht verhungern. Mit Ausnahme der "Schosshündchen", die schon immer mit Pralinen gemästet wurden, wurden Hunde eher nur beiläufig mit Abfällen gefüttert. So überlebten nur diejenigen Exemplare, die schnell und wahllos frassen und das knappe Futter gut umsetzten. Heute nun werden unsere Hunde überhäuft mit hochwertigem Futter für jedes Lebensalter und für jeglichen Geschmack. Von "Hirsch mit Nudeln" bis "Lachs und Ente" kann man alles kaufen. Es gibt Trockenfutter, Dosenfutter, Schälchen für den anspruchsvollen Hund und eine unüberschaubare Auswahl an Leckerle und allerlei Getrocknetem zum Nagen. Und so bedarf es grosser Disziplin von Seiten des Menschen, wenn der Hund im Schlaraffenland nicht aufgehen soll wie ein Hefekloss.

Der gleiche Corgi mit 11 kg nach einem dreiwöchigem Wanderurlaub mit Diät und täglichen 15-20 km langen Bergtouren.

Die Werbung suggeriert unverfroren, dass nur der seinen Hund liebt, der ihm all diese Vielfalt möglichst täglich in reichem Masse bietet. Tatsächlich aber gibt es viele andere und bessere Möglichkeiten, einem Hund eine Freude zu bereiten. Man kann sich mit ihm beschäftigen: Streicheln, Spielen, Sport treiben, Spazierengehen. Nur ist der Griff in die Leckerledose zweifelsohne einfacher.

Jetzt stellen wir also fest, dass Möppel erheblich zu viel Speck auf den Rippen hat. Wie kriegt man seinen Hund wieder schlank? Dafür gibt es nur einen Weg: weniger füttern, unterstützt durch mehr Bewegung.

Höre ich da die Standardsätze:
"Meiner kriegt gar nicht viel, der wird vom Hingucken dick?" oder
"Es sind die Drüsen, Herr Doktor!" oder
"Er hat halt schwere Knochen!"

Leider kann ich alle diese Entschuldigungen nicht gelten lassen. Ein dicker Hund bekommt schlicht mehr Energie, als er verbraucht. Und gemeinerweise verbraucht die Fettmasse dann noch weniger als die Muskeln.

Wie geht man eine Diät nun an? Falls Sie wirklich der Meinung sind, dass Ihr Hund vom Atmen zunimmt, dann notieren Sie sich mal ganz penibel, was Ihr Hund pro Tag so alles bekommt. Nicht nur die Hauptmahlzeiten (abwiegen!), sondern auch den Guten-Morgen-Keks, das zweite Frühstück, den Mittagslunch, das Teegebäck, die Spätmahlzeit und das Betthupferl, und vergessen Sie nicht die Belohnungen zwischendurch... Was kriegt er womöglich noch von anderen zugesteckt? Haben Sie eine Katze im Haushalt, die ständig Reste im Napf lässt?

Da haben Sie sich einen Überblick verschafft. Wenn Sie nun auf einer Futtertüte schauen, was Ihr Hund bei seinem Idealgewicht (also 10 - 13 Kilo) fressen darf, sehen Sie vermutlich den Unterschied. Für eine wirksame Abmagerungskur darf Möppel aber nur 60% dessen fressen, was ihm für sein Idealgewicht zustünde.

Als erstes streichen Sie komplett alle Extras, es gibt nur noch die Tagesration. Die können Sie gerne auf zwei oder gar drei Portionen aufteilen, dann kommt nicht so leicht Heisshunger auf. Mit fettarmem und ballaststoffreichem sogenanntem "Light-Futter" (z.B. von Meradog oder Happydog) bekommt der Hund trotz weniger Kalorien alle Vitamine und Mineralstoffe. Wenn es nach gar so wenig aussieht, können Sie ihrem Hund den deprimierend leeren Napf vorübergehend mit geraspelter Gurke, einer rohen Möhre extra oder in viel Wasser ausgequollenem Vollkornreis optisch etwas aufbessern (Achtung: dann muss er öfters Pipi!). Ganz klar: die Diät muss von Ihnen durchgehalten werden, dem Hund bleibt schliesslich keine Alternative!

Einmal die Woche stellen Sie sich mit und ohne Hund auf die Waage, und da werden Sie den Erfolg sehen. Ein Pfund pro Woche ist bei strikter Diät durchaus drin! Wenn Sie parallel dazu die Spazierrunde verlängern oder eine weiter Runde einführen, kriegt Möppel auch wieder etwas mehr Fitness. Ich bin mir absolut sicher, dass Ihr Hund Sie trotzdem noch liebt (vielleicht sogar noch mehr), wenn Sie mit ihm Ball spielen statt ein Leberwurstschnittchen herunter zu reichen. Glänzendes Fell, leuchtende Augen, kurze Krallen - ein schlanker Hund ist einfach ein schönerer Anblick als eine schnaufend dahinwatschelnde Speckrolle. Und gesünder ist es obendrein!

Nix für ungut!
Almut Rosenfelder

Aus der deutschen Corgi-Post 4/2003 mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

Siehe auch Rebas Geschichte

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18.06.2011