Um ein Haar

EllaAm Vormittag des 23. Dezember bemerkte ich erste Anzeichen, dass etwas nicht stimmte. Unsere 8 Jahre alte Ella hielt nach nur wenigen hundert Metern inne und wollte umkehren. Ich nahm an, sie sei nur nicht ganz in Form und machte einen etwas kürzeren Spaziergang als üblich. Aber im Laufe des Abends waren wir etwas beunruhigt, als wir feststellten, dass ihr Herz härter und schneller schlug als sonst. Ihre Temperatur lag bei 39,1°, also leicht erhöht. Wir beschlossen, bis zum nächsten Morgen zuzuwarten.

Als Ella am Morgen des Heiligabend weder aufstehen noch ihr Futter haben wollte, wussten wir, dass etwas definitiv nicht in Ordnung war. Eine Entzündung der Gebärmutter ist gerne das Erste, das einem in solchen Fällen in den Sinn kommt. Unser Tierarzt hatte Weihnachtsferien, aber wir fanden eine Tierärztin in der Nachbargemeinde, die uns sofort empfangen konnte. Die Untersuchung, inklusive Röntgen und Ultraschall, zeigte keine Infektion der Gebärmutter oder des Magen-Darmtrakts. Ein voller Dickdarm deutete auf schlechte Verdauung, also gab man ihr etwas Paraffin. Weil Ella bei der Konsultation völlig gesund und munter wirkte, machte sich die Tierärztin keine weiteren Gedanken, obwohl der Harn braungelb und der Stuhl beinahe orange war, und im Harn Eiweiss und Bilirubin nachgewiesen wurden. Sie hätte gerne auch das Blut untersucht, verfügte aber leider nicht über das notwendige Analysegerät ....

Erleichtert, dass es keine Gebärmutterentzündung war, fuhren wir nach Hause und ich freute mich auf die Weihnachtstage. Aber im Lauf des Heiligabend stieg unsere Besorgnis um Ella, der es gar nicht besser ging. Es war gut, dass wir nicht wussten, was uns die nächsten Tage bringen würden.

Am Weihnachtstag war Ella immer noch schlapp und ohne Appetit. Wir setzten uns in Verbindung mit der Jeløy Tierklinik, die einen 24h Notfalldienst hat. Wir beschrieben alle Symptome und wurden aufgefordert, sofort zu kommen. Eine Kontrolle des Zahnfleisches, das nun ganz bleich und gelblich war, sowie eine Gelbfärbung der Augen weckten ihm Tierarzt sofort den Verdacht auf ein Leber/Milzproblem. Ella wurde hospitalisiert und uns blieb nichts anderes übrig, als nach Hause zu fahren und auf Antwort zu warten.

Die erste Diagnose lautete auf schwere Anämie, Blutarmut, aber die Ursache war unklar. Der Hämatokrit (prozentueller Anteil von roten Blutkörperchen) von 13, gegenüber normalerweise 38-55, war jedoch so schwerwiegend, dass Flüssigkeitszufuhr und später auch eine Bluttransfusion erforderlich waren. Die Blutanalyse zeigte, dass Ella an einer ganz seltenen Krankheit litt: AIHA, autoimmunhämolytische Anämie, d.h. eine Blutarmut, der durch Antikörper des eigenen Immunsystems verursacht wird. Diese Antikörper heften sich an die roten Blutzellen und können unter bestimmten Umständen zu deren Zerstörung führen. Eine Behandlung mit grossen Steroiddosen wurde eingeleitet, um die Immunreaktion zu schwächen.

Es waren schwere Weihnachtstage mit unserer geliebten Ella in der Klinik und täglichen Telefonanrufen, um zu hören, ob die Zerstörung der Blutzellen aufgehört hatte. Bei unserem ersten Besuch nach ein paar Tagen erwartete uns ein anämischer Hund am Tropf, mit gelben Schleimhäuten, und schaute uns mit gelbweissen Augen an. Ein trauriger Anblick, den wir nie vergessen werden. Wir brauchten eine Menge Kleenex, um die Tränen wegzuwischen. Tag für Tag ging es weiter bergab: die 13% wurden 12% und dann 10%. Eine Bluttransfusion brachte den Wert auf 18% und gab den Tieräzten Zeit, mit der Behandlung weiterzufahren. Aber die roten Blutzellen nahmen unerbittlich wieder ab.

AIHA bekommt man mit Hilfe von Medikamenten meistens in den Griff im Laufe von 3-4 Tagen. Jetzt waren bereits 6-7 Tage vergangen und der Blutwert war wieder auf 10% gesunken. Wir hatten uns damit abgefunden, dass es keine Hoffnung mehr gab, und den Beschluss gefasst, die Behandlung nach Neujahr einzustellen, falls sich keine Besserung zeigen sollte.

Aber das Wunder geschah. Im Laufe des Silvesters besserte sich Ellas Zustand und sie hatte Futter zu sich genommen. Am Neujahrstag kletterte auch der Blutwert langsam etwas nach oben. Kolossale Dosen Prednisolon (100 mg pro Tag) wurden verabreicht. Ein gewagter Entscheid des Tierarztes Magnus Harjen, denn das Medikament kann mehrere ernste Nebenwirkungen haben und 100 mg ist die normale Dosis für Grossvieh!

Nach 10 Tagen in der Klinik konnte Ella endlich wieder nach Hause. Am 25. Januar ist der Blutwert stabil bei 38% und die Medizinierung stark reduziert. Die Muskeln bauen sich langsam wieder auf und wir hoffen und glauben, dass die Krankheit überstanden ist oder Ella zumindest noch einige Jahre damit leben kann. Sie erhält natürlich extra Streicheleinheiten und Aufmerksamkeit, was sie sehr zu schätzen weiss.

Ein grosses Dankeschön geht an die Mitarbeiter der Jeløy Tierklinik, die nie aufgaben und unsere Ella retteten.

Richard Gjersø
Aus der norwegischen Corgipost, 1/2008
Übersetzung: ANo

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07.12.2010