Corgis im Kindergarten

Ich spaziere mit meinen vier angeleinten Hunden die Strasse hinunter. Die Luft ist kühl und frisch. Das Laub verfärbt sich langsam und wir geniessen das schöne Herbstwetter und unseren Spaziergang in der Nachbarschaft.
Wir sind im Begriff den Spielplatz des Kindergartens zu überqueren, als sich die Türen öffnen und ungefähr 20 Kinder im Alter von 3-5 Jahren herausstürmen, voller Selbstbewusstsein und glücklich, draussen zu sein. Sie haben uns entdeckt und rennen nun direkt auf uns zu. Alle ausser einem kleinen Jungen, der offensichtlich einen schlechten Tag hat. Er steht weinend bei den Kindergärtnern und scheint, sehr traurig zu sein.

Einen kurzen Moment überlege ich, ob ich mit meinen vier Hunden das Weite suchen oder bleiben und meine Hunde von den Kindern streicheln lassen soll. Spontan entscheide ich, dass die Hunde nichts dagegen haben würden. Ich schaue zu den Kindergärtnern hinüber und nicke und sie versuchen nicht länger vergeblich, die Kinder von den Hunden fern zu halten.
In Kürze sind wir umringt von Kindern, die Corgis knutschen und Corgis, die Kinder abschlecken. Die Hunde sind im siebten Himmel. Nan liegt auf dem Rücken, um sich den Bauch kraulen zu lassen und ich höre, wie ein kleines Mädchen einem anderen erklärt, wie man einen Hund richtig streichelt und ihm zeigt, wie man den Bauch krault. Brynn sitzt umgeben von 4 oder 5 Kindern und gibt ihr "Aruuuuuu" von sich als Zeichen höchsten Glücksgefühls, während Teegan eifrig mit dem Popo wackelt und möglichst jedes einzelne Kind begrüssen will.

Und Miss Penny? ….. Miss Penny hat den kleinen Jungen entdeckt, der einen schlechten Tag hat. Normalerweise mag Miss Penny Kinder, aber jetzt strampelt sie wie wild, um sich von der Kindermeute zu befreien. Schliesslich schlüpft sie aus dem Halsband und bewegt sich gaaaanz, ganz langsam auf den Jungen zu. Er klammert sich immer noch weinend an die Kindergärtnerin. Ich beobachte die Szene aus der Distanz und weiss, dass meine Miss Penny im Begriff ist, das Leben des Jungen zu verändern.

Die Kindergärtnerin dreht ihn um und er bemerkt Miss Penny, die direkt hinter ihm sitzt und ihn anschaut. Sie gibt ein paar "Wuff"-Laute von sich, streckt ihren Popo in die Höhe und fordert ihn zum Spielen auf. Er kichert. Miss Penny sitzt nun direkt neben ihm, lehnt sich an ihn und gibt ihm einen vorsichtigen Kuss. Er schlingt seine Arme um sie und seufzt. Miss Penny hat nur noch Augen für diesen kleinen Jungen und gibt sich die grösste Mühe, ihn aufzumuntern. Sie schmiegt sich an ihn und er kichert ununterbrochen. Der angespannte Gesichtsausdruck der Kindergärtnerin weicht einem Lächeln. Ich schaue einfach zu, denn ich weiss, was Miss Penny macht …. sie tröstet ein Menschenkind. Ganz ruhig und gefasst versucht sie, den Jungen aufzuheitern und es dauert nicht lange, bis er sich zu den anderen Kindern gesellt und mit den Hunden herumrennt und seinen Spass hat.

Nach ungefähr 20 Minuten ist die Pause vorbei. Die Kindergärtner rufen ihre Zöglinge und ich rufe meine Hunde.

Die Kindergärtnerin erzählt mir, dass der Junge eben erst wieder in den Kindergarten zurückgekehrt sei. Sein Vater war vor einer Woche bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Miss Penny musste gespürt haben, wie sehr der Junge litt und versuchte, ihn zu trösten.

Wieder daheim fällt mein Blick auf den Plüsch-Corgi auf der Ablage. Ich nehme ihn, steige ins Auto und fahre zurück zur Schule. Ich erzähle dem Jungen, dass Miss Penny möchte, dass er den Plüschhund haben soll und er greift nach dem Hund, als ob es kein Morgen gäbe.

Am Abend ruft mich die Mutter an, um mir zu danken. Ich antworte, dass der Dank nicht mir sondern meinem Hund gehört, und dass ihr Junge willkommen sei, falls er mit meinen Corgis im Garten spielen möchte.

Ich bin mächtig stolz auf meine Hunde, und speziell auf Miss Penny. Sie ist etwas ganz Besonderes.

Sherree Blair, Colorado
Übersetzt von ANo mit freundlicher Genehmigung.

30.11.2010