Die Welt von Tasha Tudor

Für viele Corgi-Freunde ist der Name Tasha Tudor ein Begriff. Die 1915 in Boston geborene Künstlerin lebt sehr zurückgezogen in Vermont im Nordosten Amerikas, zusammen mit ihren Corgis, die fast überall in ihren Zeichnungen auftreten.

Das folgende Porträt stammt teilweise von einem Interview, das im Juli 1987 in der englischen Zeitschrift "Dogs Monthly" erschien, und einer Kurzbiographie von William John Hare (aus dem Internet):

Als Tochter eines namhaften Yachtkonstrukteurs und einer sehr talentierten Porträtmalerin wurde Tasha Tudor mit 9 Jahren zu Freunden in Connecticut geschickt, weil ihre Eltern sich scheiden liessen. Die neue "Tante" war viel zu sehr mit Schreiben beschäftigt, um sich um den Haushalt zu kümmern, und Tasha wuchs daher ziemlich frei auf. Die neue Umgebung erweckte in ihr eine leidenschaftliche Liebe zum ländlichen Leben und der Natur. Schon früh begann sie zu zeichnen und ihr grösster Wunsch war, Künstlerin zu werden.

1938 heiratete sie Thomas Leighton McCready Jr. Sieben Jahre später zog das Paar nach New Hampshire in ein altes verfallenes Farmhaus von 1790, ohne Zentralheizung, fliessendes Wasser oder Strom. Da das Geld knapp war, spann und webte sie selbst den Stoff, aus dem sie die Kleider für die Familie nähte. Auch die Lebensmittel stammten aus Eigenproduktion. Tasha Tudor verbrachte viele Stunden zusammen mit ihren vier Kindern, fand aber trotzdem Zeit zum Zeichnen und Malen und zwar immer in der Küche.


Ihre grosse Liebe zu Puppen, die sie seit der Kindheit hegte, bekam neuen Aufschwung als Tasha Tudor zur Unterhaltung ihrer Kinder eine ganze Puppenfamilie schuf. Die Puppenfamilie wiederum wollte auch unterhalten werden und zu diesem Zweck baute Tasha Tudor ein Marionettentheater, welches sie mit selbstgebastelten Figuren bevölkerte. Später kam noch ein achtköpfiges Corgi-Orchester dazu, deren Miniature-Musikinstrumente von einem Freund angefertigt wurden, wobei die Bogen der Saiteninstrumente mit Haaren vom Haupt seiner Frau bespannt waren. Daneben baute Tasha Tudor auch ein riesiges Puppenhaus, das zu einer Touristenattraktion wurde.

Ihr erstes Buch erschien 1938, ihre Liebesbeziehung zu den Corgis begann jedoch erst ca. 20 Jahre später. 1957 verbrachte die Familie ein Jahr in Sussex, England, wo der junge Sohn Tom von einem Gentleman unterrichtet wurde, der einen Pembroke Corgi besass. Der Schulknabe verlor sein Herz an diesen Hund und erklärte seiner Mutter, er werde Geld für den Kauf eines Corgis zusammen sparen. Tatsächlich radelte Tom eines Tages nach Midhurst um eine Hundezeitung zu kaufen, worin er ein Inserat für Corgi-Welpen fand. Der Züchter, ein Pfarrer Jones in Pembrokeshire, war so gerührt vom Wunsch des Jungen, dass er versprach, ihm einen passenden Welpen zu schicken.

Während der Rest der Familie nach Amerika zurückkehrte, blieb Tom noch für ein weiteres Jahr in England. Pfarrer Jones hielt sein Wort und eines Tages wurde ein Welpe nach Amerika geflogen. Beim Anblick des kleinen Corgis war Tasha Tudor geliefert. Sein offizieller Name war Browns aber schon bald hiess er Mr. B. Als Tom nach Hause zurück kehrte, hatte Mr. B nur noch Augen für Tasha, die mittlerweile so von der Rasse eingenommen war, dass Mr. B schon bald eine Gefährtin bekam, die zeit ihres 19-jährigen Lebens "Pups" (Welpie) genannt wurde. Bald gründeten die beiden eine Familie und seither hat Tasha Tudor immer eine Hand voll Corgis um sich.


Aus "The Great Corgiville Kidnapping"

Natürlich war es nur eine Frage der Zeit bis Corgis in Tasha Tudors Zeichnungen auftauchten, entweder als Haupt- oder Nebenfiguren, aber die Tudor Corgis sind allgegenwärtig und 1971 erschien sogar ein ganzes Buch mit ihnen - Corgiville Fair. Neben den Corgis hält Tasha Tudor auch Katzen.

Corgiville FairCorgiville Christmas

Nach dem Tod ihres Mannes zog Tasha Tudor nach Vermont in ein Holzhaus, das ihr Sohn Seth anfangs der 70-er Jahre zusammen mit ihrer Hilfe ganz von Hand baute und zwar als getreue Kopie eines Hauses aus dem 18. Jh. Das Haus liegt völlig abseits, ca. 3 km von der Hauptstrasse entfernt, am Ende einer ca. 1500 m langen Naturstrasse. Weit und breit ist kein anderes Haus zu sehen und im Winter ist es völlig abgeschnitten, so dass alle Vorräte im November beschafft werden müssen, bevor der Schnee kommt. Für die Corgis ist es natürlich herrlich, sie können frei herumstreifen, ausser während der Jagdzeit: die Jäger könnten sie für Füchse halten.


Tasha Tudor hat nichts dagegen, wenn man sie auf Grund ihres antiquierten Lebensstils als leicht exzentrisch bezeichnet. Sie räumt selbst ein, dass sie in einem anderen Jahrhundert lebt und mindestens 100 Jahre zu spät auf die Welt kam. Sie trägt am liebsten Kleider aus dem 19. Jh. und verbringt ihre Tage neben Zeichnen und Malen am Webstuhl oder in ihrem wunderschönen Garten, der ihr auch das Gemüse und die Früchte liefert. Sie bäckt selbst ihr Brot und züchtet Geflügel, Ziegen und Corgis. Sie hat kein Bedürfnis nach Gesellschaft und zieht es vor, zu Hause zu sein. Sie fühlt sich in ihrer Rolle als Künstlerin sehr wohl, denn "als Künstler kann man sich so verrückt oder unmoralisch aufführen wie man will, niemand stösst sich daran .... 'sie ist eben eine Künstlerin'".


Tasha Tudor ist eine sehr produktive Künstlerin. Seit ihr erstes Buch erschien, hat sie beinahe hundert Bücher geschrieben und/oder illustriert und Hunderte von Aquarellen gemalt. Auch eine ganze Reihe von Karten, Bleistift- und Kohlezeichnungen stammen aus ihrer Hand. Ihr romantischer Stil, der entschwundene Zeiten heraufbeschwört, ist sehr populär.


Tasha Tudor hat zwölf Enkelkinder. Auf die Frage, ob sie einen Einfluss auf sie gehabt habe, antwortete sie: "Ich habe Kinder gern, aber eigentlich ziehe ich Corgi Welpen vor!"

Tasha Tudor starb am 18. Juni 2008 in ihrem Heim in Marlboro, Vermont, im Alter von knapp 93 Jahren.

Übersetzung ANo

Bücher von Tasha Tudor mit Corgis:
Corgiville Fair. 1998. 48 Seiten. ISBN 0-316-85312-7. US$ 12.76.
The Great Corgiville Kidnapping. 1997. 42 Seiten. ISBN 0-316-855583-9.
Corgiville Christmas. 2002. 40 Seiten. ISBN 1-932425-00-4
The Night Before Christmas. Ein beliebtes Weihnachtsgedicht von Clement Clarke Moore (1779-1863) illustriert von Tasha Tudor. 1999. 32 Seiten. ISBN 0-316-85579-0.

The Night Before Christmas

Diese und weitere Bücher von Tasha Tudor, die teilweise ebenfalls Corgis enthalten, sind erhältlich bei www.amazon.de oder www.amazon.com
Eine grosse Auswahl von Tasha Tudors Arbeiten findet ihr auch bei: www.cellardoorbooks.com.

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22.05.2011