Pepper und der Dachs
von Evelyn Forsyth Forrest

Durch den Wald fliesst ein kleiner Bach, wo Dachse, Füchse, Hasen und gelegentlich ein Reh ihren Durst löschen. Anfang Juni trocknete der Bach aus und eine anhaltende Dürre zwang die Tiere auf der Suche nach Wasser näher zu den menschlichen Behausungen.

Eine Zeit lang kamen sie zum knapp 100 m vom Haus entfernten Teich, aber auch dieser trocknete schon bald bis auf einige wenige Pfützen ein, und die Dachse mit ihren kurzen Beinen und dem schwerem Körper hüteten sich, im Schlamm festzustecken.

Einer meiner Corgis schläft in einem offenen Schuppen und kann daher frei auf dem Anwesen patrouillieren. Er ist ein ruhiger aber tüchtiger Wächter und wir sind die Einzigen in der Nachbarschaft, die von den immer zahlreicher werdenden Füchsen verschont blieben. Diebe werden in der Nähe des Hauses oder der Hühner nicht geduldet und sie und wir schlafen bei offenen Türen und mit einem Gefühl von Sicherheit.


Anfang Juni wurde unsere Nachtruhe allerdings arg gestört.

Frau Dachs in der Sandgrube hatte Junge und ohne saftiges Futter und Wasser geriet sie langsam in Verzweiflung. Ich füllte einen niedrigen Trog mit Wasser, aber das war ihr anscheinend nicht geheuer und Frau Dachs wagte sich bis zum Hof vor.

Das konnte Pepper, der Corgi, natürlich nicht zulassen und bei mehreren Gelegenheiten sah und hörte ich, wie er sie ruhig aber bestimmt überzeugte, zu verschwinden. Es gab ein Gemurre und Gegrunze und schliesslich trottete sie zum Wald zurück. Dieses nächtliche Treiben dauerte ungefähr eine Woche und Pepper schien die charakteristische Corgi-Methode anzuwenden, wobei sich Überredung und ein gezielter "Zwick" in ein Hinterbein abwechselten. Er selbst kam nie zu Schaden, was bei einem Dachs ziemliches Geschick und Schnelligkeit seitens des Hundes erfordert, und wir warteten gespannt auf die weitere Entwicklung.


Wir mussten nicht lange warten. In einer heissen, stillen Nacht wurde die Stille durch das unverkennbare Geräusch von Ungemach in einem Hühnerhaus durchbrochen. Der Postbote brachte die Neuigkeit, dass ein Nachbar 14 seiner Legehennen verloren hatte und dass es nicht nach der Tat eines Fuchses aussah. Der eingegrabene Hühnerzaun des Auslaufs war ausgebuddelt worden und die Hühner waren schrecklich zugerichtet und zwei fehlten. Ich befürchtete das Schlimmste.

Die nächste Nacht band der Nachbar seinen Springer Spaniel an einen Baum in der Nähe der Hühner und ging zu Bett mit seinem Gewehr. Aus irgendeinem Grund klappte die Zusammenarbeit jedoch nicht, und eine Wiederholung des nächtlichen Ereignisses resultierte im Verlust von weiteren 16 Hühnern.

Nun bestand kein Zweifel mehr, dass ein Dachs der Übeltäter war, und ihren dritten Besuch bezahlte Frau Dachs mit dem Leben. Sie wog rund 13 kg.

Glücklicherweise geschieht es selten, dass ein Dachs sich an Hühnern vergreift und in diesem Fall besteht kaum Zweifel, dass Frau Dachs auf ihrer vergeblichen Suche nach Wasser versucht hatte, ihren Durst mit Blut zu stillen.

Ohne Pepper hätten wir und die Welpen auf Eier verzichten müssen und dank seiner Wachsamkeit verloren wir kein einziges Huhn.

The Welsh Corgi League Handbook 1950
Übersetzung ANo
Illustrationen: ©2013 Billie Stahl

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Evelyn Forsyth-Forrest züchtete Pembroke Corgis unter dem Zwingernamen Helarian und war eine bekannte Richterin der Rasse. Sie schrieb auch ein Buch Welsh Corgis, das 1955 bei Ernest Benn, London, erschien.

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17.07.2013