Heldin wider Willen
Von Dorothy Elliot, "Wigby", York

Infolge von Geburtsproblemen einer unserer Corgi Hündinnen riet der Tierarzt zu einem Kaiserschnitt. Die Entscheidung fiel abends um 7 Uhr und rund zwei Stunden später standen wir da mit fünf nassen und schreienden Welpen. Man sagte uns, dass die Hündin etwa drei Tage brauchen würde, um sich von der Operation zu erholen, und dass sie, falls sie bis dahin überhaupt noch Milch hatte, nur einen, höchstens zwei Welpen säugen dürfe.

Das war eine schwierige Situation für uns, aber das Glück war auf unserer Seite, dachten wir zumindest! Dai, unsere vier Jahre alte Haushündin, hatte einen sieben Tage alten Wurf. Sie ist ein kleiner Corgi mit einer grossen Persönlichkeit, und wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, lässt sie es uns unmissverständlich wissen. Was sie gar nicht mag ist vom Kreis der Familie ausgeschlossen zu werden und wir wissen aus früherer Erfahrung, dass eine sorgfältig vorbereitete Wurfkiste in einem Nebengebäude nicht nach ihrem Geschmack war. Im Gegensatz zu was man uns erzählt hatte, nämlich dass werdende Mütter gerne ungestört sein wollen, zeigte uns Dai bald, dass sie es vorzog, ihre Familie in unserer Mitte zu haben. Zur Zeit unserer Notlage hatte sie sich gemütlich in einer Teekiste in einer dunklen Ecke unserer Küche eingerichtet und ihre Welpen sahen aus wie kleine Bärchen, wohlgenährt und zufrieden.

Das war unsere Hoffnung! Wir würden Dai die neugeborenen Welpen geben! Sie würde sich um sie kümmern bis wir eine Amme gefunden hatten. Voller Zuversicht machten wir uns ans Werk. Dai wurde aus dem Haus gebracht und die neuen Welpen wurden zu ihren eigenen gelegt. Vorsorglich hatten wir sie in ein Flanelltuch von ihrem Lager eingewickelt, in der Hoffnung dass sie ihren Geruch annehmen würden. Wir verdunkelten die Küche und liessen Dai herein. Die Welpen schrien kräftig und durchdringend. Als sie den Lärm hörte, preschte sie zu ihrer Kiste. Wir hielten den Atem an. Was würde sie tun? Hier muss ich erwähnen, dass Dai eine sehr gute Mutter ist und sehr auf Reinlichkeit achtet, und zu unserer Erleichterung begann sie sofort, die Welpen von vorne bis hinten zu säubern. Aber unsere Freude war von kurzer Dauer. Sie leckte die Welpen immer heftiger und schob ihre Schnauze auf aggressive Weise immer wieder unter die sich windenden kleinen Körper und versuchte, sie aus der Kiste zu kippen. "Nein", sagten wir, "Lass das sein! Das sind liebe, kleine Welpen!" Aber es nützte nichts; ihre Absichten waren mehr als deutlich. Wir entfernten Dai und überlegten von neuem. Das Säubern hatte in uns eine schwache Hoffnung erweckt. Vielleicht wollte sie die Welpen einfach nicht zusammen mit ihren eigenen Welpen haben? Schnell versteckten wir ihren knuddeligen Wurf im 1. Stock und führten sie wieder zu den Neuankömmlingen. Aber dieses Mal warf sie nur einen kurzen Blick auf sie und weigerte sich, nur schon in die Kiste zu klettern. Sie begann zu zittern und zu winseln. Verzweifelt liessen wir sie los. Sie rannte von Zimmer zu Zimmer und suchte nach ihren Babys.

Inzwischen war es Mitternacht geworden und wir waren müde und frustriert. Wir brachten Dais Welpen zu ihr zurück und nahmen die mutterlosen Babys aus der Kiste. Wir legten sie in einen Korb auf eine in Flanelltücher eingewickelte heisse Bettflasche und gingen zu Bett mit dem Korb in unserer Mitte. Nach und nach beruhigten sich die Schreihälse und wir schliefen völlig erschöpft ein.

Um 2 Uhr erwachten die Welpen. Sie öffneten ihre Mäulchen und fingen mit Nachdruck an zu schreien. Wir machten das Licht an und setzten uns auf. Immer noch todmüde überlegten wir, wie wir die Babys füttern sollten - mit Pipette, Puppenflasche oder auf andere Weise. Genau in dem Moment als wir uns aufrafften, etwas zu unternehmen, ertönte ein "Bums!" und darauf das Trippeln von Dais Pfoten auf dem Küchenboden und schon hörten wir, wie sie eilig die Treppe hinauf lief. "Jetzt haben wir die Bescherung", dachten wir, als sie auf unser Bett sprang. Sofort steckte sie ihre Schnauze in den Korb und kippte die quietschenden Welpen hinaus. Gerade als wir mit ihr schimpfen wollten, liess sie sich seitwärts auf unsere Bettdecke fallen, schob mit der Schnauze die zappelnden und hungrigen Welpen zu sich und liess sie trinken!


Archivfoto: Kimberley z Pembroku

Damit ist die Geschichte aber noch nicht ganz zu Ende. Dais Wünschen entsprechend, die sie uns unzweideutig klar machte, wurde eine zweite Teekiste in einer anderen Ecke der Küche aufgestellt. Nachdem die neue Familie darin untergebracht worden war, pendelte Dai bereitwillig zwischen den Kisten hin und her, wenn ihre Dienste gefragt waren.

Drei Tage später hatte sich die Mutter der Welpen genügend erholt, um sich einem ihrer Babys anzunehmen. Der Rest wurde von Dai zusammen mit ihren eigenen Welpen versorgt, ohne dass sie oder die Welpen darunter zu leiden schienen.

The Welsh Corgi League Handbook 1955
Übersetzung: ANo

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25.10.2014