Ella und ihre vielen Leben
Von Johanna Flinck, Big-Wood's Cardigan Corgis, Finnland

Die beinahe 11 Jahre alte Ella (Kilvroch My Romance) ist eine erstaunliche kleine Cardigan Hündin. Ihr Leben hing so oft an einem Haar, dass ich ihre Geschichte erzählen möchte.

Ellas 1. Leben
Ella wurde am 7. November 2003 in England geboren. Leider starb ihre Mutter infolge plötzlicher Komplikationen kurz nach einem Kaiserschnitt. Ella und ihre neun Geschwister waren Waisen. Es war eine Besorgnis erregende Situation. Die zehn neugeborenen Welpen brauchten schnell Hilfe. Kate Kingston benutzte die Telefon- und E-Mailkette, um Freiwillige zu finden, die Eileen Eby mit ihrem Wurf helfen konnten. Für die erste Nacht wurden zwei Ammen für je fünf Welpen gefunden.

Als Eileen am nächsten Morgen im Wartezimmer des Tierarztes sass, um die Welpen zu holen, kam ein Anruf von einer völlig fremden Person, die vom Notfall gehört hatte. Bev Foreman vom Zwinger Tanglebriar hatte eine Flat Coated Retriever Hündin mit einer Scheinträchtigkeit und viel Milch. Sie war bereit zu helfen. Bev verwandelte ihr Ess- in ein Welpenzimmer und die Pflegemutter Rowan stillte die Welpen fünf Minuten nach ihrer Ankunft. Während den nächsten fünf Wochen kümmerten sich Bev und Rowan in vorzüglicher Weise um die Welpen. Alle Welpen überlebten und gediehen.


Ellas Amme und Pflegemutter Rowan

Ellas 2. Leben
Mit zehn Wochen kam Ella nach Finnland, um dort ein aktives Leben im Norden zu beginnen. Sie wurde einige Male ausgestellt, wurde Best Puppy in Show und CAC-Gewinnerin, machte Agility und wurde Mutter zweier Würfe. Kurz bevor ihrem zweiten Wurf hatte sie Symptome von Trächtigkeits-Diabetes und -Toxikose. Wir wussten nicht genau, was es war, waren uns aber im Klaren, dass die Welpen sofort herausgeholt werden mussten. Ella befand sich definitiv in einem kritischen Zustand. Die Welpen waren gross und glichen eher eine Woche alten Welpen als Neugeborenen. Ich beschloss, dass dies Ellas letzter Wurf sein sollte, aber der Tierarzt konnte sie auf Grund ihres schlechten Zustands nicht gleich sterilisieren. Das konnte jedoch immer noch nachgeholt werden, falls Ella überlebte. Und sie überlebte.

Ellas 3. Leben
Als Ella sich von der Operation und der zweiten Trächtigkeit vollständig erholt hatte, nahm sie an ihrem ersten offiziellen Agility-Wettkampf teil. Ella war sehr talentiert und erreichte schnell die höchste Stufe. Sie war nicht nur schnell sondern auch sehr folgsam, so dass sie einfach zu führen war. Ella war ein wichtiges Mitglied unseres Agility-Teams und war bereit für ihre erste individuelle Agility-Meisterschaft im Sommer 2009. Aber das Schicksal wollte es anders. Während der Winter-Trainingspause erlitt Ella einen Bandscheibenvorfall. Ihre Hinterbeine konnten dem Befehl ihres Hirns nicht mehr nachkommen. Wir begruben alle Agility-Träume und konzentrierten uns auf Ellas Physiotherapie. Und wisst ihr was? Ella begann wieder zu gehen und rennen. Sie überlebte noch einmal.


Ella liebte Agility

Ellas 4. Leben
Ella wurde unser Vollzeit-Familienhund ohne Ausstellungen und Agility-Training. Ihre Bewegungen waren beinahe wieder normal. Sie hatte gewisse motorische Probleme, die erfahrene Hundekenner sehen konnten. Während zwei Jahren ging alles gut. Ella war ihr schnelles, aktives und fröhliches Selbst bis im November 2011, als plötzlich ihre Rückenprobleme zurückkehrten und zwar viel schlimmer als beim letzten Mal. Wir verloren jede Hoffnung und dachten, es sei besser, Ella über die Regenbogenbrücke gehen zu lassen. Johanna rief sogar den Tierarzt an, der mit Ellas Situation vertraut war, und hinterliess eine Nachricht auf seinem Beantworter: "Können Sie sie einschläfern? Die Zeit ist gekommen." 15 Minuten später hinterliess Johanna eine zweite Nachricht: "Vergessen Sie meinen ersten Anruf. Wir kommen nicht". Was war geschehen? Nun, Ella zeigte was für eine Kämpferin sie ist. Sie rappelte sich auf und rannte zum Gartentor. Sie wollte zwei Teenager auf ihrem lärmenden Moped stoppen. Wir beschlossen, es nochmals zu versuchen und anstatt eines schmerzlichen Besuchs beim Tierarzt vereinbarten wir einen Termin beim Hunde-Physiotherapeuten. Und ja, Ella überlebte!

Ellas 5. Leben
Es schien, dass es für Ellas Erholung einen guten Grund gab - sogar einen lebenswichtigen. Ein Jahr nach Ellas zweitem Bandscheibenproblem und ihrer Genesung, verlor eine Freundin plötzlich ihre Schäferhündin nach einem Kaiserschnitt. Sechs Welpen brauchten dringend eine Mutter, um sie sauber und warm zu halten und sie liebevoll zu umsorgen. Johanna begab sich zu ihrer Freundin Miia mit Milchflaschen und beschloss, Ella (mit geringen Symptomen einer Scheinträchtigkeit) mitzunehmen. Wir fanden, dass Ella für die Welpen eine erste Hilfe sein konnte, während wir nach einer etwas grösseren Pflegemutter suchten. Aber Ella entschied anders. Nur ein paar Stunden bevor die Welpen zu einer Schäferhündin mit nur einem Welpen gebracht werden sollten, beschlossen Miia und Johanna, dass Ella die Welpen behalten durfte. Sie konnten von Hand gefüttert und von Ella betreut werden. Wir hatten alle volles Vertrauen in Ella.


Ella mit ihren sechs Adoptivbabys

Natürlich wussten wir, dass Ella über 9 Jahre alt war und dass es ein gewisses Risiko war, aber wir konnten Ella die Welpen nicht mehr wegnehmen. Das war also Ellas dritter Wurf und so zog Ella zu Miia für ein paar Monate, betreute die kleinen Schäferhunde und trotz allen Befürchtungen und Vorurteilen, erzog sie diese kleinen Wildfänge mit liebevoller Disziplin, bis sie zu ihren neuen Besitzern zogen.

Video von Ella und ihren Adoptivwelpen
https://www.youtube.com/watch?v=uJ-yFNWM4G0

Die Geschichte von Ella, der kleinen Lebensretterin, und den Welpen berührte viele Menschen und die traurige Geschichte mit dem glücklichen Ende verbreitete sich schnell. Sie machte Schlagzeilen bei unserer lokalen Zeitung und ein finnisches Hunde-Magazin brachte einen Artikel über Ella und die Welpen. Johannas Internet-Blog erhielt Hunderte von neuen Anhängern und die Geschichte wurde auch auf Facebook und anderen Internet-Foren verbreitet. Die kleinen Welpen entwickelten sich zu grossen und tapferen Deutschen Schäferhunden, die nun ihre Karriere als Gebrauchshunde beginnen werden. Ein paar von ihnen wohnen in unserer Nähe und betrachten Ella immer noch als ihre Mutter. Es sieht lustig aus, ist aber natürlich ein völlig normales Hundeverhalten.


Ella mit drei ihrer Adoptivhunde und deren Vater Peiko (rechts).

Alles ging gut mit Ella bis zum letzten Sommer. Wir hatten sogar geplant, sie für einige Ausstellungen anzumelden, denn es gibt viele Ausstellungen mit gratis Zugang für Hunde über 10 Jahren und Ella mag es, sich im Ring zu zeigen und sich korrekt zu bewegen. Aber wieder wurde uns die Lektion erteilt: "Mach keine Pläne". Ella wurde krank und 15 Minuten später wurde unsere eigene Diagnose von einem Ultraschall in der Tierklinik bestätigt. Sie hatte eine Gebärmuttervereiterung. Wir wollten es zuerst mit Antibiotika versuchen, weil Ellas Muttermund offen war und der Eiter abfliessen konnte. Wir entschieden, dass eine Operation für Ella auf Grund ihrer Bandscheibenprobleme und ihres Alters (10½ Jahre) keine Option war.

Als sich die Situation für Ella plötzlich verschlechterte und der Muttermund sich am Sonntagabend schloss, vergassen wir unseren früheren Entscheid. Operation? Ja, bitte sofort! Bitte, versuchen Sie ihr Leben zu retten. Das Problem war, dass unsere üblichen Tierärzte in den Sommerferien weilten. Unser lokaler Tierarzt war ein junger Arzt, der sich immer noch in Ausbildung befand, und wir mussten die alte Klinik ohne spezielle Anästhesie-Geräte benutzen. Aber der junge Tierarzt und Ella waren beide Kämpfer und nach drei Stunden war die riskante Operation überstanden. Ellas Gebärmutter war aussen voller Zysten und innen voller Eiter, aber der Tierarzt konnte alles entfernen. Wir fuhren nach Hause und die erste Nacht war ein Albtraum. Ella war es schrecklich übel von all der Medizin. Nach dieser schlimmen Nacht erholte sich Ella erstaunlich schnell. Sie überlebte noch einmal.

Ellas 6. Leben

Ella drei Wochen nach der Operation

Drei Wochen nach ihrer Gebärmutter-Operation ist sie wieder auf gutem Weg. Sie ist voller Lebensfreude und spielt mit ihrem Spielzeug wie ein Welpe. Wir nahmen sie mit zum Strand und sie hatte Spass mit unseren alten Cardigan Rüden Esko (12 Jahre) und Eskos Vater Totti (beinahe 14 Jahre). Sie schwammen im Meer, spielten und rannten herum wie Welpen.


Ella (r) mit Esko

Es scheint, dass Ellas Lebenslust und ihre mentale Stärke ihr geholfen haben, alle diese Schwierigkeiten zu überwinden. Wir sind Eileen Eby sehr dankbar, dass sie uns Ella vor beinahe 11 Jahren anvertraute. Ella hat so vielen Menschen, nicht nur uns, so viel gegeben. Nach all dem was Ella passiert ist, haben wir beschlossen, einfach jeden Tag mit ihr zu geniessen. Sie wird uns wissen lassen, wenn sie genug hat. Aber vorläufig hat sie andere Pläne. Sie will wieder leben. Schliesslich ist es erst ihr 6. Leben.

August 2014
http://www.jofli.net/bigwood/

Übersetzung aus dem Englischen: ANo mit freundlicher Genehmigung.

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www.welshcorgi-news.ch
17.02.2015