Loblied auf einen alten Hund
Von Leanne Levine

Es war einmal eine Frau, die gerne ein Kind haben wollte. Das erwies sich als schwierig und als die Ärzte ihr sagten, dass sie nicht wussten, warum es nicht klappte, sagte sie zu ihrem Mann:

"Wenn wir kein Baby bekommen können, können wir dann nicht wenigstens einen Hund anschaffen?!

Mit dem gleichen Eifer, mit dem sie damals Bücher über Fertilität studiert hatte, machte sie sich nun daran, die verschiedenen Hunderassen zu recherchieren. Sie hätten gerne einen grossen Hund gehabt - ihr Mann wünschte sich einen Boxer - aber sie hatten nur einen kleinen Garten. Eines Tages als sie sich wieder in ihre Hundebücher vertiefte, sprang ihr der kleine Corgi ins Auge.

Aber nicht etwa der Pembroke Welsh Corgi, der beliebtere rot/weisse Fellknäuel ohne Rute, der bevorzugte Hund der Königin. Nein, es war der weniger bekannte Cardigan Welsh Corgi, der ihr Interesse weckte: grösser als der Pembroke, in mehr Farben, und mit einer flotten, buschigen Rute. 'Hm!', dachte sie, 'das ist ein Hund, der glaubt, er sei gross, aber mit kurzen, stämmigen Beinen. Genau das Richtige für unseren Garten.'

Zufälligerweise befand sich eine Cardigan Züchterin in der Nähe ihres Wohnorts. So machten sich der Mann und die Frau auf zu einem Besuch. Sobald sie die Hunde mit dem lächelnden Gesicht und den grossen Ohren sah, verliebte sie sich in sie. Und schon bald hatten sie ihren eigenen kleinen brindle Buben.

Sie nannten ihn Nathan Junior nach ihrem Lieblingsfilm Arizona Junior (1987). Nathan Junior ist der Name des Babys, das Hi und Ed stahlen, weil sie selbst keine Kinder bekommen konnten. Es war also ein bedeutungsschwangerer Name.


Cornerstone's Nathan Junior, 8 Monate in 1996

Sie liebten ihren kleinen Nathan Junior. Er war süss und fröhlich und brachte sie zum Lachen. Er begleitete sie auf Partys und ihre Freunde bewunderten ihn, weil er etwas Besonderes war. Sie hatten noch nie einen solchen Hund gesehen: mit einem langen, kräftigen Körper, aber mit kurzen Beinen und grossen Pfoten, mit riesigen Ohren, und einer langen buschigen Rute. Vom Erscheinungsbild her war Nathan ein Ausstellungshund, brindle mit weissem Kragen und attraktiver, symmetrischer Zeichnung im Gesicht. Aber sie stellten ihn nicht aus; er war einfach ihr anhänglicher Liebling.

Die Frau war sehr glücklich mit ihrem neuen Gefährten. Und dann - als Nathan gerade dem Alter für die Welpenspielstunden entwachsen war - stellte sie fest, dass sie schwanger war.

14 Jahre später.

Nathan war an ihrer Seite, als sie nicht nur ein sondern drei Kinder aufzog, die er alle mit Geduld und Liebe behandelte. Nathan zog mit seiner Familie nach Kalifornien, wo sich die Frau und ihr Mann nach einiger Zeit scheiden liessen, wobei seine unerschütterliche Hingabe und sein fröhliches Hundegesicht ihr und den Kindern durch diese schwere Zeit halfen. Er wurde geliebt, unerklärbar und bis zu ihrem Tod im letzten August, von einer schwarzen Katze namens Alabama. Nun ist eine lebhafte, zweijährige Mischlingshündin namens Clementine seine ständige Gefährtin.

Jetzt ist Nathan alt. Er hört nicht mehr gut und hat grauen Star. Er bellt etwas zu laut wie um zu sagen "Ich bin immer noch da ... oder?" Die attraktive, symmetrische Zeichnung auf seinem Gesicht ist mit grauen Haaren gesprenkelt. Seine feuchte, lederartige Nase ist teilweise verkrustet und trocken.


Seit kurzem hält er seinen Kopf auffallend schief. Der Tierarzt sagt, es sei ein Zeichen für einen neurologischen Schaden: vielleicht ein Hirnschlag, ein Tumor oder einfach hohes Alter. Er schaut die Frau an mit seinem beinahe um 90° schief gelegten Kopf. Manchmal hängt seine Zunge seitwärts aus dem Maul. Er kann seine Hinterbeine nicht immer ohne Hilfe aufrichten und so zieht er sich manchmal einfach auf den Vorderbeinen vorwärts, vergnügt und wie wenn nichts dabei wäre, dass er seinen Hintern nachschleppt. Er verlangt immer noch, rausgelassen zu werden, und kann mit Unterstützung gehen, um sein Geschäft zu verrichten.

Jetzt, wo er alt ist, schläft er viel, aber immer in dem Raum, wo sie sich aufhält. Wenn sie den Raum für mehr als ein paar Minuten verlässt, rappelt er sich auf, um sie zu suchen. "Oh Nathan", murmelt sie zärtlich, "du bist mein kleiner Schatten. Komm, lass uns hier drinnen ruhen", und sie streichelt seine ergrauenden Haare und küsst seine grossen Ohren.

Und er schläft.

Die Frau weiss nicht, wie viele Tage, Wochen oder Monate sie noch beim Schreiben aufschauen und ihn beobachten kann, wie er in einer Ecke des Raums schläft. Sie umsorgt ihn, wie wenn er ein geliebter Opa in einem Hospiz wäre. Sie verbringt extra Zeit neben ihm und krault seinen Bauch, während sie an alle die Jahre denkt, die sie zusammen hatten. Sie ist nicht mehr die gleiche Frau, die einen brindle Welpen neben der Wurfkiste bei der Züchterin in den Händen hielt: sie hat die Glücksmomente bei der Geburt ihrer Babys und den Schmerz einer gescheiterten Ehe erlebt; sie zog auf die andere Seite des Landes und begann ein neues Leben von Grund auf, mit Höhen und Tiefen; sie verlor alte und gewann neue Freunde, half ihren Kindern, sich zu jungen, dynamischen Menschen zu entwickeln; und fand sogar eine neue Liebe.

Und jeden Tag war er da, der Hund mit den grossen Ohren und dem lächelnden Gesicht, der sich nichts anderes wünschte als in ihrer Nähe zu sein, eine gute Mahlzeit und gelegentlich ein Leckerli. Der Gedanke, dass sie ihn verlieren wird, lauert nun in ihrem Kopf. Sie weiss, dass der Tag kommen wird, aber sie wartet bis zum allerletzten Augenblick, bevor sie der Tatsache ins Auge sehen muss. Vorläufig ist es ihm wohl. Vorläufig will sie nur daran denken, was für ein guter Hund er gewesen ist. Und so schreibt sie jetzt über ihn, denn sie möchte nicht über ihn schreiben, wenn er nicht mehr da ist.

Aber er ist noch da und schlummert auf der anderen Seite des Raums. Ein Bein zappelt, während er im Land der Träume Eichhörnchen jagt, und eines seiner grossen Fledermausohren zeigt gegen die Decke. Ein altes irisches Sprichwort lautet: "ein Hund besitzt nichts und trotzdem ist er selten unzufrieden".

Doch Nathan besitzt etwas und zwar für immer. Er besitzt mein Herz, voll und ganz. Nathan Junior, ich werde dich für immer lieben, du bist der beste Hund aller Zeiten.

Gefunden auf: In Praise Of An Old Dog via The Daily Corgi
Übersetzung ANo mit freundlicher Genehmigung der Autorin

Fortsetzung: Das Leben geht weiter
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08.04.2014