Mein Leben mit Corgis
von Sue Harrison, Haresfoot Corgis, UK

Ich hätte nicht einen Welsh Corgi ausgewählt. Was ich mir sehnlichst wünschte, war ein Scottish Terrier! Es war im Jahr 1952 und ich war 9 Jahre alt und damals hatte ich in dieser Sache nicht viel zu sagen. Mein Vater entschied, dass wir uns einen Pembroke zulegen und mit Ausstellen und Züchten beginnen sollten.

Meine Enttäuschung war jedoch bald verflogen, als Vater Bellefavourite von Mr. Mountsteven für den Preis von 50 Guineas erstand. Sie hatte ein CC gewonnen und war trächtig von Ch. Knowland Clipper - ihr Rufname war Susan, was zu gewissen Missverständnissen führte! (Susan war auch der Name der Pembroke Hündin, die Prinzessin Elizabeth 1944 zu ihrem 18. Geburtstag erhalten hatte. - Anm. ANo)


Ch. Knowland Clipper, geb. 08.03.1949

Mein Grossvater väterlicherseits züchtete englische Bulldoggen unter dem Zwingernamen Charleston, ich kann mich jedoch nicht erinnern, dass er sie ausgestellt hatte, aber es gab drollige, stämmige Welpen, mit denen wir spielen konnten, wenn wir zu Besuch waren. Ich erinnere mich jedoch gut an das Pferdefleisch, mit dem die Hunde gefüttert wurden, an den Gestank und die Schmeissfliegen - deshalb bin ich heute dankbar für das moderne Trockenfutter.

Meine Mutter wuchs mit einem innig geliebten Pomeranian und einem unartigen Dandie Dinmont Terrier auf. Mein Kamerad während den ersten Jahren war eine stammbaumlose Glatthaar Foxterrier Hündin namens Jenny. Sie machte sich bei mir beliebt (nicht aber bei meinen Eltern), als sie an meinem 5. Geburtstag 5 und an meinem 6. Geburtstag 6 Mischlinge warf, alles reiner Zufall. Es standen also diverse Rassen zur Auswahl.

Susan hatte 6 Welpen und ich habe diese bleibende Erinnerung von ihr und Jenny, wie die beiden, jede auf ihrer Seite der Wurfkiste, je 3 Welpen versorgten. Jenny musste ungefähr 7 Jahre alt gewesen sein und hat die Welpen vermutlich nur gesäubert. Es ist jedoch bemerkenswert, dass Susan ihr diese Aufgabe überliess. Die Wurfkiste hatte mein Vater angefertigt und wird bis heute für jeden meiner Würfe benutzt. Roseleigh wurde als Zwingername registriert. Eine der Hündinnen behielten wir, eine ging zu Mrs Helen Sheldon Craythorns und zwei zu Mrs Watts-Russell. Die letzte Hündin nannte ich Lucky, weil sie mit einer Stummelrute geboren war und nicht kupiert werden musste. Sie kam zu einer lokalen Familie. Der einzige Rüde Roseleigh Achilles wurde in der nahen Umgebung platziert und entwickelte sich zu einem gefragten Zuchtrüden.

Schon früh eignete ich mir ein Grundwissen über den Deckakt an, was mir in späteren Jahren zugutekam, wenn ich als Expertin in dieser sogenannten "Kunst" betrachtet wurde (etwas, das man wohl kaum im CV erwähnen würde!).

Die Zahl der Hunde stieg, als weitere Hündinnen dazu kamen. Ich erinnere mich speziell an Ercallside Golden Girl - sie war von einem satten Rot, beinahe ohne Weiss, und ein wahres Biest im Anzetteln von Raufereien! Schnell wurde ich Chef-Hundehüterin und Handler (Vorführerin von Hunden).

In den 1950er Jahren war die Aufzucht von Welpen nicht so leicht wie heute und ohne das grosse Angebot an Fertigfutter. Die Welpen durften z.B. nicht vor 6 Wochen entwurmt werden und hatten oft Anfälle aufgrund von Fadenwürmern. Das Entwurmungsmittel "Ruby" war eine widerliche Flüssigkeit aber die ausgeschiedenen Mengen von Würmern waren erstaunlich und für die Welpen muss es bestimmt eine grosse Erleichterung gewesen sein.

Als neue Züchter in der Region wurden wir von Mrs Sylvia Watts-Russell vom langjährigen Banhaw Zwinger kontaktiert. Sie wohnte auf Biggin Hall, einem stattlichen Herrschaftssitz, den König Heinrich VIII für seine Gattin Catherine Parr erbauen liess. Die Einladung löste bei meiner Schwester und mir höchste Aufregung aus! Nach einer längeren Busreise wurden wir von dieser noblen Dame begrüsst. Wir Mädchen durften uns frei bewegen, während die Erwachsenen Hunde diskutierten.


Biggin Hall, bei Peterborough, Northhamptonshire
Heim von Mrs. S.C. Watts-Russell und den Banhaw Pembroke Corgis seit 1934

Die vielen zukünftigen Fahrten nach Biggin Hall. sowie die Ausstellungen und die damit verbundenen Aktivitäten waren per Bus und Bahn nicht so praktisch, also musste ein Fahrzeug angeschafft werden - ein Ford Kombi, welcher der ganzen Familie und mehreren Hunden Platz bot aber nicht sehr verlässlich war. Die Ausstellungen fanden mehrheitlich lokal und oft am Abend statt, wo es sehr gesellig zu und her ging und viele der damals renommierten Richter richteten.


Banhaw Mirth im Alter von 1 Jahr


Ch. Benhaw Renard, geb. 18.03.1963

Die Ausstellungen der Welsh Corgi League in Seymour Hall in London hatten in jenen Tagen auch Obedience Klassen. John Holmes war sehr erpicht, diese Seite der Rasse zu fördern und man konnte ihn auf Schauen in der Grafschaft antreffen, wo er Obedience und das Hüten von Enten demonstrierte.
Leslie Perrins stand jeweils an der Türe und hiess jedermann willkommen. Er war in jenen Tagen ein berühmter Schauspieler und meine Mutter war begeistert, ihn kennen zu lernen!

Damals gab es viele unvergessliche Top-Züchter. Nebst Mrs Thelma Gray erinnere ich mich gut an Anne Biddlecombe und nette Damen wie Patsy Hewans Mutter, die grossartigen Lister-Kayes, von denen ich voller Ehrfurcht war. Auch Jessie Fitz-Williams war eine wunderbare Person, immer liebenswürdig und lustig. In jenen Tagen gab es so viele nette und interessante Personen, die gerne bereit waren, ihr Wissen über die Rasse mit einer Jugendlichen zu teilen. Ich werde ihnen für immer dankbar sein. Leider sind sie nicht länger unter uns.

Zu meinem 13. Geburtstag erhielt ich meinen ersten Pembroke und ich erinnere mich, dass ich ganz aufgeregt und glücklich war, muss aber schamvoll bekennen, dass mir fast 60 Jahre danach nichts anderes an sie in Erinnerung bleibt!


Mit Trixie in 1956

Mein Ziel und Ehrgeiz war, während den nächsten zwei Jahren auf die Bellmead Kennel Maid Training School in Windsor zu gehen. Aber das Schicksal wollte es anders: der Traumjob war ausgeschrieben - Hundehüterin für Wey Corgis gesucht. Gerade 15 Jahre alt ging ich nach Surrey und verbrachte dort 2½ glückliche Jahre. Barbara Walker-Smith, meine Nachfolgerin, hat die tägliche Routine im Wey Zwinger treffend beschrieben. Während meiner Zeit wurden das neue Haus und die Zwingeranlage weiter den Hügel hinauf gebaut. Die Gebäude sind nun im Besitz von Karina le Mare, wo sie Deutsche Doggen züchtet und einen Karantänezwinger betreibt.


Mit Scarlet Man of Wey in 1958

Mit CH Banhaw Chaffinch in 1966

Die 1960er waren zweifellos die Jahre, wo die Pembrokes und die grossen Zwinger ihren Höhepunkt hatten. Es war eine grossartige Lehre, besonders weil ich so viele der damals besten Züchter treffen konnte wie auch die ausländischen Besucher, die zur Wey Farm kamen. Mrs Thelma Grey war eine beeindruckende Persönlichkeit, aber so freundlich, mich gegenüber Mrs Butler zu loben, nachdem sie früh eingetroffen war und ich voll jugendlichem Vertrauen den Deckakt in die Wege leitete!

Die "Damen" besuchten sich von Zeit zu Zeit gegenseitig zum Mittagessen und es war interessant die Kommentare über jeden ihrer Hunde und gegenwärtige und kommende Welpen zu hören. Wir Hundehüterinnen hatten unsere eigenen "Zusammenkünfte" in der Küche - was haben wir wohl diskutiert?!


Auf Biggin Hall, Heim der Banhaw Corgis.

Weiter zur dritten Phase meines Lebens mit Corgis. Mrs. Watts-Russell hatte den Wunsch geäussert, sich nochmals im Ausstellungsring "auszutoben". Und so übernahm ich die Verantwortung für den Banhaw Zwinger während sechs spannenden Jahren. Als Erstes machte ich die Fahrprüfung und kaufte einen kleinen rot/weissen Transporter, der mir gute Dienste leistete und später durch einen Morris 1000 Traveller ersetzt wurde.

Paddy Date von den Rowell Pems wurde zu diesem Zeitpunkt eine gute Freundin und es machte grossen Spass, sich mit ihr zu treffen und in ihrem mit Hunden (damals gab es noch keine Boxen) und Menschen beladenen Transporter zu den Ausstellungen zu fahren. Damals gab es auch noch keine Autobahnen, aber wir hatten trotzdem immer genügend Zeit, um unterwegs unsere Verpflegung einzukaufen - ich erinnere mich nicht, dass wir jemals eine Klasse verpassten!


Mit Haresfoot Ezra, der nach Holland ging

Nachdem meine Schwester Mo die Schule beendet hatte, begleitete sie mich zu den meisten Ausstellungen. Wir beluden den Wagen mit Campingausrüstung, mehreren Pems und einer Deutschen Dogge und fuhren los zu weit entfernten Orten. Die Banhaws waren in kürzester Zeit sehr erfolgreich und die sechs Jahre auf Biggin Hall bis zu meiner Hochzeit werden mir bis zum Ende meines Lebens in schöner Erinnerung bleiben.


Sue Harrison richtete die Pembrokes auf
der Klubschau des Schweiz. Welsh Corgi Klubs in 1995

Es gab viele schöne und oft auch herausfordernde Ereignisse. Gelegentlich wohnte ich bei Eve Forsythe-Forrest. Sie war meine Mentorin und lehrte mich unglaublich viel. Ich erhielt Meisterkurse im Rassestandard und ich hatte immer Angst, etwas falsch zu machen, wenn ich richtete. Sie war eine reizende Dame, konnte aber auf einen Teenager ziemlich furchterregend wirken!

Im Alter von 20 Jahren begann ich meine Karriere als Richterin von Pembrokes und Cardigans. Seither hatte ich die Ehre, mehrmals sowohl im Vereinigten Königreich wie im Ausland zu richten, und ich habe so viele schöne Hunde gesehen und wunderbare Menschen getroffen, die die Liebe zu unserer Rasse teilen.


Ch. Banhaw Chaffinch, geb. 27.02.1964

Nach meiner Hochzeit nahm ich Ch. Banhaw Chaffinch mit mir, aber leider blieb diese schöne Hündin ohne Nachwuchs. Danach machte ich einen "Abstecher" und beschäftige mich während einigen Jahren mit Bearded Collies und gewann mehrere CCs. Aber dann überliess mir Jessie Fitz-Williams freundlicherweise Fitzdown Frolic und ich war wieder bei den Pems. Biddy war eine Persönlichkeit und es war eine Freude, sie zu besitzen.


Drei Generationem
Haresfoot Rueben (links), seine Tochter H. Victoria (rechts) und H. Blaise, später Int Ch. (Mitte)


Ch. Haresfoot Isaac, geb. 03.01.1981
(Ch. Evancoyd Mr Wonderful x Fitzdown Frolic)


und seine Schwester Haresfoot Ivy, mit 9 Monaten

Mit einer jungen Familie und landwirtschaftlichen Verpflichtungen waren meine Ausstellungs- und Zuchtaktivitäten beschränkt, aber das war wahrscheinlich ganz gut, denn diese Leidenschaft kann das Leben beherrschen! Jeder, der meinen Mann John kennt, wird mir glauben, wenn ich sage, dass sein erste Antwort an jemanden, der ein Interesse für die Hunde zeigt, lautet "wie viele wollen Sie?". Die Anzahl bleibt daher in einem vernünftigen Rahmen. Die Hunde sind aber immer noch ein wichtiger Teil meines Lebens.


Meine Tochter Emma mit ihrem Pony und den Corgis
Haresfoot Glengarry, Fitzdown Frolic und Haresfoot Holly

Meine Ernennung in 2014 zur Präsidentin der Welsh Corgi League ist eine grosse Ehre und ich bin sicher, mein Vater wäre hoch erfreut. Ich werde ihm immer dankbar sein, dass seine Wahl auf einen Pembroke fiel. Irgendwie bin ich nicht sicher, dass es mit einem Scottie das Gleiche gewesen wäre!


Ich auf meinem Araber mit der "Haresfoot Meute" vor einigen Jahren

Verfasst für die Christmas 2015 Ausgabe von Our Corgi World und übersetzt von ANo mit freundlicher Genehmigung.

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www.welshcorgi-news.ch
27.09.2016