Weihnachten mit den Augen der Hunde
Von Veni Harlan

Es geht los....

Ein toter Baum, normalerweise ein geeignetes Objekt zum Markieren, wird ins Wohnzimmer geschleppt. Schmuck in der Form von zierlichem Hundespielzeug wird über die Zweige verteilt, aber du kannst nichts davon markieren oder ins Maul nehmen! Diese Kuriosität wird von den Menschen streng bewacht. Am Baum hängen sogar Warnlichter. Die Hunde stecken die Köpfe zusammen und diskutieren die Angelegenheit. Der älteste erklärt dem Jungen diesen saisonalen Wahnsinn. "Die Menschen sind verrückt geworden - aber es geht vorbei. In etwa 3 Wochen."

Schon bald beginnen Unmengen von Esswaren das Haus zu füllen - aber nichts davon ist für die Hunde! Als nächstes tauchen prall gefüllte Taschen und Schachteln auf, die ohne Umschweife in Schränke gestopft werden. Die Hunde haben beobachtet, wie Eichhörnchen auf diese Weise hamstern, aber sie sind besorgt. Wenn deine Menschen sich wie Eichhörnchen benehmen, kann es nichts Gutes bedeuten.

Dann tauchen seltsame Gegenstände auf - Kerzen, merkwürdige Puppen mit spitzen Hüten und Bärten. Das Schlimmste ist, dass alle eine Schleife um den Hals tragen. Den Hunden schwante, dass sie als nächste dran sind... Die Taschen werden aus den Schränken gezerrt und alles wird mit nicht-essbarem Papier eingepackt und, ja genau, mit noch mehr Schleifen umwunden. Alsdann wird die ganze Bescherung unter der Baumleiche verteilt und den Hunden wird gedroht, dass jeder Pipi streng bestraft werden wird. Einer der Strümpfe an der Wand beginnt nach Hundespielzeug und teuren Hunde-Snacks zu duften.

In scheusslichen Weihnachtsdecken steckend und mit Maschen, die an ihrem Hals und Stolz nagen, stecken die Hunde erneut die Köpfe zusammen. "Es wird noch schlimmer", sagt der älteste. "Es werden Kinder kommen." (Unser Heim ist normalerweise eine kinderfreie und somit für andere Lebewesen sichere Zone.) Und tatsächlich stürmen bald menschliche Welpen aus den Autos und reissen alle die Pakete auf, welche die Hunde nicht berühren durften. Dann richten sie ihre Aufmerksamkeit auf die Hunde. Der alte Hund wappnet sich gegen den Angriff. Der Welpe versucht zu flüchten und findet heraus, dass Kinder, genau wie Welpen, ein bewegliches Ziel erhaschen wollen. Schliesslich sind alle beim Essen und der Welpe entdeckt, was der ältere Hund schon seit über einem Jahrzehnt weiss: Setz dich neben die Kinder, die lassen immer etwas fallen. Und im Notfall kannst du ganz leicht etwas Essbares von ihnen stehlen. Sie rennen immer herum mit etwas, das sie nicht unbedingt benötigen, in ihren kleinen Händen, die sich auf Hundehöhe befinden. Einen Schluck Punsch, einen Keks, einen Cracker, ein Stück Käse, Baby-Biskuits, Milch aus einer Babyflasche, eine Zuckerstange - es ist eine wahre Fundgrube für einen schlauen Hund. Manchmal geben sie dir sogar etwas. Alles in allem ist es die ungestümen Umarmungen und kleineren Gräueltaten wert.

Irgendwann sind die Kinder, die Geschenke und (leider) auch das Essen verschwunden. Die Hunde haben den prallen Socken an der Wand im Auge - den mit all den verführerischen Gerüchen. Und tatsächlich beginnen die Menschen die Gaben zu verteilen: einen Knochen, einen Ball, Hundebiskuits mit Erdnussbutter, Spielzeug mit intaktem Quietscher, noch nicht ausgeweidete Plüschtiere. Der Wahnsinn endete schliesslich doch noch in Wohlbehagen. In einer Stunde werden die erschöpften Hunde sich aufs Sofa legen und Filme schauen, die selbst sie schon früher gesehen haben. Und wenn die Hunde endlich eingeschlafen sind, werden ihre Menschen vorsichtig Reste von Zuckerstangen aus ihrem Fell zupfen. Die Erde dreht sich langsam wieder.


Fireside Christmas by Margaret Sweeney

FROHE FESTTAGE!


Übersetzung ANo mit freundlicher Genehmigung

Veni Harlan wohnt in Baton Rouge, Louisiana, mit russischen Windhunden und einer Cardigan Hündin namens Mardi Gras.
www.farfieldborzoi.com/

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20.12.2014