Mein Zwingername

Wir haben lange gedacht, dass "Wie ich mit den Cardigans begann" ein gutes Thema für eine Reihe von Artikeln für den Newsletter wäre. Es gibt bestimmt viele verschiedene Versionen, wie das geschah, aber wer ist bereit, den Anfang zu machen. Nun, mein Bruder, der Kassier des Vereins, gab mir eines Abends eine Handvoll Papierfetzen, welche ich nur mit viel Glück entziffern kann. Aus reiner Notwehr schreibe ich die Geschichte daher selbst, indem ich die Fetzen, falls notwendig, als Gedächtnisstütze gebrauche.

Während jenen langen dunkeln Tagen und Nächten des Zweiten Weltkriegs war ich eine von vielen, die weit von Zuhause weg war, wobei ich viele Freunde kennen lernte. Eine von diesen erzählte mir jeweils von ihrem Zuhause. Wohnhaft in London wurde sie, zusammen mit der Schule, wo sie Vorsteherin war, nach Wales evakuiert. Dort, in den walisischen Hügeln, fand sie eine kleine Farm für ihre Mutter, die immer noch in London lebte, und wo ihr Vater, der bei der Luftwaffe war, seinen Urlaub verbringen konnte. Diese Farm trug den Namen Werndwyll und befand sich am Hang eines Hügels, in einem kleinen Ort namens Farmers, ungefähr 10 Meilen, vielleicht auch etwas mehr, von Lampeter entfernt. Ich stellte mir den Ort vor, rechnete aber nicht damit, dass ich eines Tages eingeladen würde, sie zu besuchen.

Wenn ein Lebensabschnitt endet und ein neuer beginnt, verliert man gewöhnlich den Kontakt zu den Freunden, die man hatte, aber diese Freundschaft gedieh und bestand immer noch. Als meine Freundin mich am Llandovery Bahnhof traf und wir uns auf eine 20 Meilen lange Fahrt begaben, wunderte ich mich, wo zum Teufel sie mich hinbrachte und machte auch ein paar diesbezügliche Bemerkungen. Als sie mir Bescheid gab, den Mund zu halten oder zu Fuss zu gehen, schwieg ich und schaute mich um.

Ich war früher in Wales gewesen, aber nicht in diesem Gebiet und es verschlug mir die Stimme. Ich vernehme beim Schreiben noch immer diese unglaubliche Schönheit. Wir trafen pünktlich ein und dort traf ich meinen ersten Cardigan, die alte Shan, eine Tochter von Marlais Premier, der natürlich nicht weit entfernt lebte.

Ehrlich gesagt, ich war nicht begeistert. Ich war gewöhnt an langbeinige, bodenständige Mischlinge und diese Hunde waren zu ausgefallen für meinen Geschmack, aber bevor ich jene Farm verliess und nachdem ich Shan einige Tage um mich herum gehabt hatte, war da ein gewisses Etwas, und ich freute mich, sie bei meinen nächsten Besuch besser kennen zu lernen.

Mein Vater war alles andere als beeindruckt, als ich ihm von den Cardigans erzählte. Er konnte sich nicht vorstellen, wie ein Hund mit kurzen Beinen aussehen konnte. Aber dann, als unser alter getreuer Hund gestorben war und Shan eine Affäre mit dem Collie auf der Farm hatte, kam unser erster, einem Cardigan ähnlichen Hund genannt Taffy zu uns. Der einzige Unterschied zwischen Taffy und einem rassereinen Cardigan war, dass er weder kurze noch lange, sondern ¾ lange Beine hatte.

Leider war mein liebster Taffy, wie mein Vater sagte, zu gut für diese Welt. Er war der klügste Hund, den ich jemals gekannt habe, und keiner konnte sich mit ihm messen. Ich behaupte nichts einfach, dass mein Hund besser war als alle anderen, es ist eine Tatsache. Wie ich sagte, er war zu gut für dieses Leben und ich war nicht intelligent genug, um etwas über Impfungen zu wissen. 18 Monate alt starb Taffy (vermutlich an Staupe - Anm. ANo). Mein Dad und ich schworen, dass wir nie wieder einen Hund haben wollten.

Mein Bruder war jedoch anderer Meinung und schon bald hatten wir zwei, Cardigans natürlich, einen Rüden und eine Hündin. Sie waren Wurfgeschwister, was wohl etwas doof war, aber so war das nun mal.

Zu gegebener Zeit wurde Gloria gedeckt, aber wieder hatten wir Pech, zum grossen Teil auf Grund meines mangelnden Wissens aber auch eines sogenannten Tierarztes, der, wie wir leider zu spät herausfanden, kein richtiger Tierarzt war, verloren wir Gloria samt ihren Welpen.

Der Vater der Welpen war Withybrook Caesar, und als Mrs MacDonell erfuhr, was passiert war, war sie nicht nur verärgert über den Tierarzt sondern, dass es überhaupt so weit kommen konnte und sie bestand darauf, mir Withybrook Gloria, genannt Bridget, zu geben.

Wir hatten immer noch unseren Rüden, namens Monty, daher der Zwingername Bridgemont. Diese beiden Hunde brachten mir viel bei. Bridget konnten wir nicht ausstellen und Monty war so ein fröhlicher Kerl, dass kein Richter, ungeachtet wie erfahren er war, viel über ihn sagen konnte. Er wedelte einfach bei jedermann mit seinem Schwanz - und wenn er seinen Schwanz wedelte, dann wedelte er.


Ch. Bridgemont Saffron, geb. 14.10.1959
Ch. Edenwell Ner Nodedig x Bridgemont Mari Noel


Hier auf einer Briefmarke (1972)

Aber wir hatten unseren Spass. Monty und Bridget gaben mir meine Shan, die mit mittlerweile 10 Jahre alt ist und 50% von jedem ihrer Eltern geerbt hat. Sie ist "mein Mädchen" und wenn ich Shan auf Ausstellungen bringe, treffe ich Leute, die auf irgendeine Weise mit meinen Zuchtanstrengungen zu tun hatten: Mrs Roberts (Gleghornie), Mr Bob Eden, Mrs Barker (Wildfowl) und meine neuste Linie Mr & Mrs Parkinson. Als ich ihren Rüden brauchte, nicht auf Grund seines Stammbaums sondern weil er mir gefiel, stellte ich fest, dass sein Stammbaum mich zurück zu meinen Anfängen mit Withybrook Gloria führte, denn hier stehen ihre Eltern am Anfang der Linie.


Bridgemont Soba (links & seine Schwester Bridgemont Suzanne
Born 19.10.1982
Kentwood Elwyn x Ch. Downholme Serena of Bridgemont

Heute, wenn ich einen Ring voller Cardigans betrachte, sehe ich jene walisischen Hügel vor mir und manchmal frage ich mich, wie viele vor mir auf diesen Bergen einen Cardigan aufstöbern konnten. Ich bezweifle, dass sie überhaupt je einen zu Gesicht bekommen haben. Sie hatten nicht so viel Glück wie ich, denn, obwohl ich vielleicht nie mehr dahin komme, meine Freundin lebt nicht mehr dort, sehe ich in Gedanken immer diese sanften Hügel und das stille Tal weiter unten.

Bessie Witheridge

Aus der Cardigan Welsh Corgi Association Newsletter 1964
Übersetzung: ANo

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31.10.2020