Die kleinen Helfer

Auf "Lystad", dem Hof von Hanne Lystad und Rune Moen in Ottestad etwas südlich von Hamar in Norwegen, besteht das Begrüssungskomitee aus drei Welsh Corgi Hündinnen. Awela, Ayla und Lina sind in erster Linie Mitglieder der Familie aber auch gute Helfer beim Treiben der Kühe und Rinder auf die Weide.


Hanne und Rune

"Die Hunde sind eine gute Hilfe, wenn es darum geht, die 17 Milchkühe am Morgen auf die Weide und am Abend wieder zum Hof zu treiben", sagt Hanne. Als Beweis dafür erzählt sie, dass die Hunde am Wochenende vor BUSKAPs Besuch (Fachzeitschrift für Viehbauern), auf einer Ausstellung in Trondheim waren, und die Aushilfskraft sich darüber beklagt hatte, dass die Kühe kaum vom Fleck zu bringen waren.

"Die Kühe haben sich daran gewöhnt, von den Hunden getrieben zu werden, und bewegen sich enorm langsam, wenn die Hunde nicht da sind", sagt Rune.

Der erste Welsh Corgi kam 1998 nach "Lystad". Hanne und Rune wählten diese Rasse, weil sie sie erstens schon von früher kannten und zweitens, weil der Corgi ursprünglich als Treibhund für Grossvieh gezüchtet wurde, und sie sehen wollten, zu was er taugt. "Beim Kauf eines Corgis kriegt man viel Hund für sein Geld", lacht Hanne. Abgesehen von den kurzen Beinen ist der Corgi wie ein grosser Hund. Bisher wurde auf "Lystad" noch keiner der Hunde beim Treiben verletzt, ausgenommen dass sie hie und da von einer Ladung Kuhdung getroffen werden!

Corgi

Hanne und Rune haben keinen speziellen Treibhundkurs besucht, sondern haben auf eigene Faust versucht, die Hunde auszubilden. Sie sind beide erfahrene Hundebesitzer, aber Treibarbeit war ein neue Herausforderung.

"Jeder kann versuchen, seinen Hütehund mit Kühen zu gebrauchen, nur muss man aufpassen, dass man einen Welpen nicht zu Tode erschreckt. Unsere Erfahrung zeigt, dass die Tüchtigkeit des Hundes 99% auf seinem Instinkt und 1% auf der Ausbildung beruht. Es ist daher wichtig, dass man sich ganz auf die Seite des Hundes stellt und mit ihm während seiner Arbeit in Kontakt bleibt. Wir haben uns vor allem darauf konzentriert, die Hunde zu stoppen, bevor die Herde zu sehr in Fahrt kommt, aber das Treiben liegt ihnen ganz deutlich im Blut. Im Gegensatz zu den Border Collies, die sich in geduckter Haltung hinter der Herde bewegen, schnappt der Corgi das Vieh in die Fersen, um es vorwärts zu treiben. Bisher hat das weder die Kühe noch die Hunde gestresst und die Treibarbeit ist in Wirklichkeit für die Tiere und für uns weniger anstrengend. Im Sommer haben wir die Rinder auf einer Weide, die ein Stück vom Hof entfernt liegt, und wir merken einen grossen Unterschied zu früher, wenn wir jetzt die Hunde brauchen, um die Tiere in den Viehwagen zu verladen. Die Arbeit geht schneller und bereitet uns und den Tieren weniger Stress", sagt Hanne.

Sie erzählt, dass die Welpen so früh wie möglich mit in den Stall genommen und so mit den Kühen vertraut gemacht werden. Falls die Welpen wesensstark genug sind, beginnt ihre Ausbildung mit der Kuhherde im Alter von ungefähr 6 Monaten. Um nicht die Kontrolle zu verlieren, brauchen Hanne und Rune bei der Ausbildung und dem Treiben jeweils nur einen Hund aufs Mal.

Am Anfang ist es wichtig, den Welpen an der Schleppleine zu haben, damit er gebremst werden kann, ohne dass man sich dabei heiser zu schreien braucht. Gleichzeitig mit dem Zug an der Leine ruft man "stopp", damit der Hund dieses Kommando lernt. Normalerweise treibt der Hund selbständig, aber um die Kontrolle zu bewahren, ist es wichtig, neben dem Stopp-Kommando auch den Augenkontakt zum Hund nicht zu verlieren. Schritt für Schritt wird die Ausbildung fortgesetzt, indem man z.B. den Hund lehrt, je nach Armzeichen das Vieh nach rechts oder links zu treiben.

Selbstverständlich braucht es etwas Arbeit und Übung, einen Hund zum Treibhund auszubilden. Aber wenn er einmal soweit ist, wird die Treibarbeit viel leichter. Durch den Einsatz der Hunde sind unsere Kühe in keiner Weise unruhiger geworden und die Hunde halten sich fit, indem sie Beine und Kopf gebrauchen.

Kühe+Corgi

"Um den Hunden ihre Arbeit zu erleichtern, sind unsere Weiden und die Treibkorridore mit elektrischem Zaun versehen", fügt Rune hinzu.

Während unseres Gesprächs trippeln die drei Hunde vergnügt vom einen zum anderen auf der Jagd nach Streicheleinheiten und Aufmerksamkeit. Es scheint den Corgis nicht schwer zu fallen, die Rolle eines hart arbeitenden Treibhundes mit der eines Familienhundes zu kombinieren.

Jan Erik Kjær, BUSKAP 5/2003
Übersetzung aus dem Norwegischen: ANo
Corgi News April 2005
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22.07.2010