Scheunenjagd (Barn Hunt)

Scheunenjagd ist ein neuer und schnell wachsender Hundesport in den USA. Er basiert auf den traditionellen Aufgaben vieler Rassen, die Farmen, Scheunen, Erntespeicher und Wohnungen von Schädlingen freizuhalten. Das gehörte auch zu den vielen Aufgaben der alten Farm-Corgis. Die Scheunenjagd ist für Hunde aller Rassen oder Mischlinge offen, so lange sie durch einen 45 cm breiten und einen Strohballen hohen (35 cm) Tunnel gehen können.

Die Organisatoren einer Scheunenjagd setzten sich für einen sicheren und vergnüglichen Sport für Hunde ein, wobei ihnen aber auch die Sicherheit und das Wohlbefinden der Ratten am Herzen liegen. Die für die Scheunenjagd benutzten Ratten sind oft geliebte Familientiere. Sie schlüpfen gerne in ihre sicheren, komfortablen und luftdurchlässigen Behälter und sie haben sich an das Zusammenspiel mit den Hunden gewöhnt.


Kapsel

Bei der Scheunenjagd müssen Hund und Führer eine oder mehrere lebendige Ratten finden, die sich in einem sicheren, röhrenförmigen PVC-Behälter oder einer "Kapsel" befinden, und sie korrekt anzeigen. Daneben gibt es "Blind-Kapseln", die nur wenig gebrauchtes Nistmaterial aus einem Rattenkäfig enthalten oder auch völlig leer sind. Die Anzahl der Kapseln und Art der Kapseln (mit Ratte, Nistmaterial oder leer) hängt vom Schwierigkeitsgrad der betreffenden Konkurrenzklasse ab.

Die Kapseln sind in einem Labyrinth von 2 bis 4 auf einander gestapelten Stroh- oder Heuballen versteckt, die sich innerhalb einer sicher eingezäunten Arena befinden. Führer und Hund müssen an einem "blinden" Ort warten, der sich ausserhalb und ausser Sichtweite der Arena befindet, während die Ratten nach Anweisung des Richters versteckt werden. Der Führer muss also das Verhalten des Hundes lesen, um festzustellen, ob er die Ratte(n) wirklich gefunden hat.


Fletcher machte sich mit Eifer auf die Suche nach Ratten und bestand den Instinkt-Test problemlos. Die Läufe in der Anfänger-Klasse absolvierte er mit wechselndem Erfolg, wenn er aber eine Ratte findet und davon überzeugt ist, reagiert er äusserst enthusiastisch und LAUT! Wir hatten zwei "Übungsläufe" und einen qualifizierenden Lauf, wo er den 1. Platz in der Klasse "small" erreichte.

Ausser der Instinkt-Klasse, wo die Kapseln teilweise frei liegen, muss der Hund auch mit allen vier Pfoten auf die Ballen klettern und mindestens einmal durch einen aus Ballen gemachten Tunnel gehen. Die Suche ist zeitlich begrenzt, mit unterschiedlicher Höchstzeit je nach Klasse (Instinkt, Anfänger, Offen, Senior und Master).


Fletcher (Wyntr's Dark Firebolt, RATI, RATO) links, und
Ember (Wyntr-Mackinac Dark Energy, RATI, RATO, RATS).
Nachdem Fletcher den ersten Lauf im Open vermasselt hatte, gelangen ihm 3 aufeinander folgende qualifizierende Durchläufe, alle mit einem 1. Platz in der Klasse "small", einschliesslich "High In Trial" mit den Lauf, der ihm den Titel RATO brachte.
Ember schaffte ihren Senior-Titel ebenfalls mit einem 1. Platz und "High In Trial" und es fehlte ihr nicht viel für einen qualifizierenden Lauf beim ersten Mal in der Master-Klasse.

Master ist die höchste Klasse, aber wie beim Agility gibt es auch einen Champion-Titel (RATCH) und einen Champion Excellent-Titel (RATCHX), wobei sich der Hund für jeden Titel zusätzliche 10 Male qualifizieren muss, nachdem er den Master-Titel erreicht hat. Mehrere RATCHX-Titel (RATCHX2, 3, 4 usw.) sind auch möglich.

Der Führer darf mit dem Hund sprechen und ihm bei der Suche helfen, indem er ihn ruft und auffordert, einen Ort zu untersuchen, den er vielleicht verfehlt hat. Es dürfen jedoch nicht die gebräuchlichen Kommandos wie "Sitz" oder "Bleib" verwendet werden, aber man kann ihm zeigen, wo er suchen soll und ihn z.B. mit "Geh durch den Tunnel" oder mit irgendeinem Wort, das er kennt, dazu ermuntern, auf die Strohballen zu klettern. Ich habe meinen Hunden "Schau nach oben" beigebracht, damit sie höher auf den Ballen suchen, weil der Duft eine natürliche Tendenz hat abzusinken. Wenn sie auf dem Boden oder weit unten suchen, ohne eine Kapsel zu finden, ist sie oft irgendwo über ihren Köpfen versteckt.

Fotos vom
Great American Dogs Barn Hunt Trial in Garden City, MI am 22. November 2015



Am 2. Tag der Prüfung schaffte er mit einem 2. Platz den Senior-Titel in seiner Grössenklasse (small). Danach qualifizierte er sich mit einem 1. Platz zum ersten Mal in der Master-Klasse.


Fletcher im Startraum. Normalerweise schiesst er los wie eine Rakete, wenn ich die Leine abnehme, aber dieses Mal wartete er, bis ich die Leine abgegeben hatte. Dafür hüpfte er vor Aufregung wie ein Känguru!


Weniger als 5 Sekunden nach dem Start findet er seine erste Ratte. Ich war überzeugt, dass wir uns hier nicht qualifizieren konnten, denn üblicherweise findet er zuerst immer eine Kapsel mit Material, aber er insistierte, dass es eine Ratte war, und er hatte Recht. - Hier versuche ich hinauf zu klettern, um die erste Kapsel mit der Ratte dem Rattenwärter zu übergeben. Das ist eine der Möglichkeiten, wie man mit der Ratte umzugehen hat, wenn sie identifiziert worden ist. Das ist auch das einzige Mal während des Laufs, dass der Führer die Strohballen und/oder den Hund berühren darf .


Mir schien, ich brauchte eine Ewigkeit mit dem Versuch, Fletcher dazu zu überreden, durch den Tunnel zu gehen. Hier zeige ich auf den Tunneleingang und sage "Geh Tunnel", aber Fletcher ignoriert mich und will auf den Ballen über dem Tunnel springen. Manchmal rennt er in den Tunnel, macht kehrt und kommt wieder raus. Wir gingen mehrere Male zwischen den beiden Tunnelöffnungen hin und her beim Versuch, ihn dazu zu bringen, hindurchzugehen.


Fletcher beim Verlassen des Tunnels, nachdem er endlich hindurch gegangen war. In der Master-Klasse kann der Tunnel bis zu 5 Biegungen haben und es kann sehr dunkel sein. Ich kann es ihm daher nicht verdenken, dass er so lange zögerte, bevor er sich entschloss, mir zu vertrauen und hindurch zu gehen. Alle Zuschauer jubelten, als ich "Geschafft" rief und wir uns qualifizierten.
Die erste Qualifikation haben wir geschafft, bleiben noch vier bis zum Master-Titel!

Hunde können sehr unterschiedlich signalisieren, dass sie die Ratte gefunden haben. Der Führer muss die Körpersprache seines Hundes beobachten und herausfinden, was im Hund vorgeht. Bei meinem Fletcher ist es einfach - er wird aufgeregt und gräbt und bellt die Kapsel an, wenn sich darin eine Ratte befindet. Leider macht er das manchmal auch bei der Kapsel mit Nistmaterial und sogar mindestens einmal bei einer leeren Kapsel. Viele Hunde in der Anfänger-Klasse machen diesen Fehler, bis sie verstanden haben, dass sie nur die Ratte finden sollen. Wenn sie in die Master-Klasse aufgestiegen sind, haben die meisten Hunde gelernt, nur noch die Kapseln mit den Ratten anzuzeigen.

Gewisse Hunde geben nur ganz schwache Zeichen, was es für den Führer sehr schwierig macht. Ich habe z.B. einen Whippet gesehen, der anhielt und das eine Ohr nur ganz leicht in die Richtung drehte, wo die Kapsel mit der Ratte versteckt war. Ein Setter stand bockstill und fixierte die Stelle im Stroh, wo sich die Kapsel befand. Andere Hunde springen vielleicht wie überrascht zurück, wenn sie eine gefunden haben und andere wiederum halten nur einen Augenblick inne und gehen weiter, ohne dem Führer anzuzeigen, dass es eine Ratte war. Meine Ember machte diese Nummer manchmal mit mir, aber mit einiger Übung weiss sie nun, dass sie es mir etwas deutlicher mitteilen muss und beisst sogar in die Kapsel. Das ist erlaubt, solange der Hund nicht versucht, die Kapsel zu tragen oder sie herumzustossen oder zu schütteln.

Einige Hunde folgen einfach ihrem Führer und warten darauf, dass er ihnen Orte zeigt, wo sie suchen sollen, während andere ihrem Führer voraus rennen und grösstenteils alleine suchen. Meine Hunde suchen zuerst allein, und erst wenn sie nicht mehr weiter wissen, suchen sie dort, wo ich sie auffordere zu suchen.

Das Erlernen der Körpersprache des Hundes und ihm beim Suchen helfen, macht die Scheunenjagd zu einem Team-Sport. Nachdem das Team den Startraum verlassen hat, darf der Führer weder den Hund noch das Stroh berühren oder über die Ballen klettern, es sei denn er ruft "Ratte". Er darf den Hund auch nicht vom Boden aufheben, um ihn zurückzuhalten, ausser wenn das Team gerade die Arena betreten hat oder wenn es fertig ist und bereit, die Arena zu verlassen. Clickers und Futter sind in der Arena nicht erlaubt.

Damit der Rattenwärter die Kapsel ungefährdet und unbeeinträchtigt entfernen kann, muss der Hund in einem Abstand von mindestens 60 cm zur Kapsel festgehalten werden. Der Führer darf den Hund nicht bewusst aufheben, darf ihn aber mit einer oder beiden Händen flach auf der Brust und/oder mit einem oder beiden Armen um den Hals oder Körper und mit einer oder beiden Händen auf der Brust, zurückhalten. Während der Führer ihn hält, muss der Hund immer mit mindestens zwei seiner Pfoten auf dem Boden oder einem Strohballen stehen. Das ist nicht immer ganz einfach, wenn der Hund sehr aufgeregt ist oder zappelt. Aus Sicherheitsgründen ist es aber streng notwendig. Hunde, die zu aggressiv auf die Kapsel mit der Ratte reagieren, werden vom Richter disqualifiziert.

Der Rattenwärter muss darauf achten, dass er die Kapsel immer waagrecht hält und sie nicht fallen lässt, wenn er sie einem anderen Rattenwärter oder wem auch immer ausserhalb der Arena übergibt. Die Ratte wird alsdann an einen Ort gebracht, wo ihr Duft den Hund bei seiner weiteren Suche nicht ablenken kann, falls noch mehr Ratten zu finden sind.

Regeln, Information und Fotos auf: http://barnhunt.com/
Es gibt nun auch eine internationale Lizenz und ich glaube, dass es in Norwegen einen Klub gibt, der Scheunenjagden organisiert.

Um Hundeführern wie auch Richtern einen Überblick über die Einzelheiten und Erfordernisse der einzelnen Klassen zu geben, habe ich eine Reihe von "Spickzetteln" ausgearbeitet und auf meine HP gestellt: http://www.wyntrcardigans.com/barn-hunt-basics.html

Kathleen Carlson, USA
http://www.wyntrcardigans.com/
https://www.facebook.com/WyntrCardigans

Übersetzung: ANo mit freundlicher Genehmigung

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www.welshcorgi-news.ch
22.01.2016