Schnüffelhund auf Rädern
Nasenarbeit ein neuer Hundesport

Beim Kommando "Parat, such!" schoss Bosun wie ein Pfeil den steilen Hügel hinunter. Die Betontreppe meidend, eilte er direkt den grasbewachsenen Hang hinunter zum Gebäude, drehte sich einmal im Kreis und zeigte dann seiner Führerin die Stelle, wo der Geruch war: im Boden unter einem Stein.

Seine Zeit: 20,03 Sekunden.

"Die Richter waren sprachlos", sagte Karla Kimmey, eine Hundetrainerin aus Sequim, WA.

Bosun gehörte nicht etwa zum Polizeihundekorps, sondern konkurrierte als Familienhund in Nasenarbeit, einem neuen Sport für Hunde, der auf dem Geruchstraining bei Polizeihunden baut.

Und Bosun brillierte, er wurde Erster bei der Suche im Freien und Zweiter im Gesamtklassement, obwohl er seine Hinterbeine nicht gebrauchen kann.

Laut Karla Kimmey und seiner Besitzerin Kate Rambo von Port Townsend, WA, ist Bosun wahrscheinlich der erste Hund auf Rädern, der sich für das Zertifikat "Nasenarbeit Stufe I" (Nose Work I) qualifizierte.

Der Corgi, der im vergangenen Monat 12 Jahre alt wurde, hatte die Diagnose degenerative Myelopathie erhalten, eine Krankheit, welche die Lähmung der Hinterhand bewirkt, und Cindy Horsefall, eine Therapeutin von "La Paw Spa" (Wassertherapie für Hunde) in Sequim, hatte für Bosun Nasenarbeit empfohlen, weil es den Muskeltonus bewahren hilft. Nasenarbeit ist auch geeignet für ältere Hunde und solche, die sich von einer Krankheit erholen oder deren Sehkraft oder Gehör beeinträchtigt ist, ebenso für Hunde, die nicht mehr im Dienst stehen oder die gerne arbeiten, weil die Arbeit ihnen Beschäftigung bietet.

Des Weiteren stärkt Nasenarbeit die Beziehung zwischen Führer und Hund und schafft gegenseitiges Vertrauen.

Im Dezember bekam Bosun einen zweirädrigen Wagen, der seine Hinterläufe unterstützt, und im Januar begann er mit dem Nasenarbeitstraining bei Kimmey im Hanalei Training Center in der Nähe von Agnew.

Bosuns Besitzerin: "Es war mutig von Kimmey, einen Hund auf Rädern und mit Epilepsie aufzunehmen, aber sie setzt auf Lebensqualität".

Zu Beginn war es jedoch fraglich, ob er das Training überhaupt absolvieren konnte, denn anfänglich blieb er manchmal mit seinem Wagen stecken, so dass seine Besitzerin ihm helfen musste. Aber schon bald kam Bosun allein zurecht. Es war phänomenal zu beobachten, wie schnell er lernte, seinen Wagen zu manövrieren.

Im April bestand Bosun den Geruchserkennungstest, der ihm erlaubte, an der Nasenarbeitsprüfung Stufe I teilzunehmen. Diese wurde am letzten Wochenende im Juni auf dem Clallam County Festplatz durchgeführt. Es war die erste Nasenarbeitsprüfung, die in diesem Staat von einer Washington Gruppe organisiert wurde.

Von den 66 Teilnehmern erhielten 20 die Auszeichnung "Nasenarbeit Stufe I", d.h. sie bewältigten vier verschiedene Suchaufgaben in drei Minuten oder weniger.

Wie bei der Polizei arbeiten Hund und Führer als Team. Wenn Bosun den Geruch findet, zeigt er es seiner Führerin an, die das Zeichen korrekt deuten, ihre Hand erheben und "Anzeige" rufen muss, um die Uhr zu stoppen. Wenn der Hund richtig liegt und sein Führer falsch, oder umgekehrt, wird das Team disqualifiziert. Aber Bosun machte alles richtig und schaffte die kombinierten Aufgaben in der zweitbesten Zeit.

Nebst der Suche im Freien, wo er die Bestnote erhielt, fand er den Geruch in einer von vielen Kartonschachteln, unter Autos auf einem Parkplatz und in einem Raum, der wie eine Küche mit Tisch und Stühlen eingerichtet war. Der Geruch besteht aus ätherischen Ölen auf Wattestäbchen. Bei der Prüfung auf Stufe I wird nur der Geruch von Zuckerbirke (Betula lenta) verwendet. (Auf Stufe NW 2 wird der Geruch von Zuckerbirke und Anis, und auf NW 3 von Zuckerbirke, Anis und Gewürznelke verwendet). Die Prüfung wird mit oder ohne Leine absolviert.

Für einen Hund im Rollstuhl gab es viele Hindernisse, wo er hängen bleiben konnte, aber er rannte auf seinen kurzen Vorderbeinen was das Zeug hielt und fand immer gleich die richtige Stelle. Laut Bosuns Trainerin Kimmey entfaltete er an jenem Tag eine erstaunliche Energie.

Kate Rambo hätte nie gedacht, dass Bosun an der Prüfung so gut abschneiden würde. Als sie die steile Treppe am Anfang der Suche im Freien sah, war sie drauf und dran, ihn von der Konkurrenz zurückzuziehen, erkundigte sich dann aber, ob sie ihm helfen durfte, falls er auf den Stufen stecken bleiben sollte. Sie nahm an, dass Bosun die Stufen im Zickzack bewältigen würde. Sie war absolut nicht auf den Eifer vorbereitet, mit dem sich Bosun den Hang hinunter stürzte. Es war, als wüsste er, dass es seine letzte Chance sein würde.

Kate und ihr Mann Forrest Rambo hatten gehofft, dass ihr Corgi weiterhin in diesem Sport konkurrien würde, aber vor einer Woche erfuhren sie, dass Bosuns Gehirntumor zurückgekehrt war. Weniger als zwei Wochen nach der Prüfung erlitt er epileptische Anfälle und erblindete auf einem Auge durch den Druck des Tumors. Er starb am letzten Samstag in den Armen seiner Besitzer, ein tapferer kleiner Hund mit einem Riecher fürs Leben.

Auszug aus Jennifer Jackson's Port Townsend Neighbor Column auf Peninsula Daily News Online
12. Juli 2011
Übersetzung: ANo

Mehr über Nasenarbeit bei:
www.nasenarbeit.de
und auf Englisch bei:
National Association of Canine Scent Work NACSW

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10.12.2016